Rosele fuhr mit der Schürze über die Augen, winkte dem Unglücklichen noch einmal mit der Hand und wandte sich nach der Thüre, während Johannes einen Besuch im nächsten Jahr nach der Erndte versprach, falls diese gut ausfalle und ziemlich kühl Behütegott sagte.

Der Benedict hat sich eine Minute an den Pallisaden gehalten, als die Beiden gingen, hat gezittert und sich schier die Lippen wund gebissen, um nicht laut aufzuschreien. Doch ist er seiner selbst Meister geworden und still in seine Zelle zurückgekehrt, wo er auf die Kniee fiel und Gott ein heiliges Gelübde machte.

Seitdem ist er allgemach zu einem rechten Christenmenschen geworden, hat tief in sich hineingeschaut wie selten Einer und ernsthaft an seiner innern Läuterung gearbeitet, so daß er nunmehr alle Leiden um Christi willen freudig trägt.

Und wenn heute der herzensgute Fidele vom Grabe auferstünde und seinen Einzigen im grauen Kittel in der Zelle sähe, so würde sein Schmerz durch die Freude überwogen, in diesem zwar einen Verbrecher, aber einen gebesserten Verbrecher zu finden.

Der Max vom Rindhofe hat in der Zelle auch Gelegenheit erhalten, über sich selbst lange und ernstlich nachzudenken und sich selbst gründlich kennen zu lernen. Selbsterkenntniß aber ist und bleibt der Anfang aller Weisheit. Könnte man alle Menschen gleich den Zellenbewohnern zum Nachdenken zwingen—die Erde hörte auf, ein großes Zuchthaus zu sein und der Streit, ob man Mitmenschen pennsylvanisch, auburnisch oder nach der alten Methode drangsaliren müsse, damit die Gesellschaft sicher sei, würde als Kennzeichen einer rohen und barbarischen Zeit betrauert werden.

Aus den Briefen des Spaniolen.

Vorbericht.

Der Spaniol ist ein alter Bekannter aus dem ersten Theil und hat vielleicht mancher Leser schon zu erfahren gewünscht, wer und woher er wohl und wie es ihm bisher ergangen sein möge. Einerseits Revolutionär als Grundsatz, gehört er anderseits schon vermöge seiner höhern Ausbildung und gewaltig hohen Verbildung den höhern Volksklassen an.

So unrichtig es wäre, denselben als eine erdichtete Person zu betrachten, so sehr bitten wir auch, in ihm den Ausdruck einer großen Klasse von Menschen zu sehen, welche mehr oder minder bewußt und weitgehend dem Spaniolenthum huldigen. Seine Geschichte ist eine lange, lehrreiche und traurige. Statt ihrer geben wir nur Auszüge und dazu noch umgearbeitete Auszüge aus Briefen des Helden.

Warum?