1. die Kluft überbrücken zu helfen, welche zwischen männlichem und weiblichem Geistesleben, namentlich in den höheren Ständen vorhanden ist,
2. das instinktive, passive Tun der Frau in ein bewußtes zu wandeln, damit sie den mütterlichen Erziehungsberuf in seiner ganzen Bedeutung und Verpflichtung erkenne,
3. in der weiblichen Jugend das Gefühl und das Gewissen zu erwecken für unsere sozialen Notstände, – sie aufzurütteln aus dem trägen Genußleben, in dem mehr Kräfte verbraucht werden als in der angestrengtesten Tätigkeit.

In aller Kürze haben wir die idealen, die humanen Ziele des Lyzeums bezeichnet.

Das Lyzeum wäre aber keine höhere Lehranstalt im Sinne und nach den Forderungen unserer auf die wirtschaftliche Selbständigkeit der Frau gerichteten Zeit, wenn es nicht zur Lösung der so brennend gewordenen Erwerbsfrage beitragen könnte.“

Die Berufe, für die das Lyzeum vorbereitet, sind:

a. Erzieherin in der Familie,
b. Leiterin von Kindergärten und ähnlichen Anstalten,
c. Lehrerin der Fröbelschen Pädagogik an Kindergärtnerinnenseminaren.

Henriette Goldschmidt erkannte aber bald, daß in dem engen Rahmen eines „Lyzeums für Damen“ ihre große Idee nicht volle Verwirklichung finden konnte. Darum erhob sie fast jedes Jahr in den Programmen des Lyzeums den Ruf:

„Das Lyzeum soll zu einer Hochschule sich gestalten, an der wissenschaftlich tüchtige Männer und Frauen unserer weiblichen Jugend zu dem schwierigsten, verantwortlichsten und idealsten Berufe, dem der Erziehung des Geschlechtes der Zukunft die Weihe der Wissenschaft geben.“

Der Gedanke einer Hochschule für Frauen war nicht neu. Bereits im Dezember 1849 war der Plan, solche Hochschulen zu gründen, in Hamburg aufgetaucht, und zwar in Fröbelkreisen. Es bildete sich damals in der Hansestadt ein „Allgemeiner Bildungsverein deutscher Frauen“, aus dessen Statuten in diesem Zusammenhang folgendes interessiert:

„1. Zweck: Verbreitung humaner Bildung ohne Rücksicht auf konfessionelle Unterschiede.

2. Bildungsmittel: Hochschulen für das weibliche Geschlecht, Kindergärten, Verbindung der Erziehung der Familie mit dem Unterricht der Schule, Armenpflege, Krankenpflege.