»Dort!« Walter Flemming zeigte auf eine Stelle, wo die Bäume etwas weiter auseinanderstanden.
»Keiner darf sich rühren, die Gewehre schußbereit halten,« befahl flüsternd der Offizier, und flüsternd pflanzte der Befehl sich von Soldat zu Soldat.
Minute auf Minute verging, es wurde dämmeriger. Da plötzlich war es, als fingen die Bäume des Waldes an, sich zu regen, es war als führten sie einen Tanz auf, und dann lösten sich dunkle Gestalten heraus und kamen näher. Aber wie das Brausen des Sturmes empfing sie jäh das Geknatter von Schüssen. Sie schrien auf in der Überraschung, sie drängten zurück, einige stürzten, und nun schwieg das Feuer sekundenlang.
Da drängten die Feinde wieder vor, kampfbereit, entschlossen stürmten sie vorwärts, sie erwiderten die Schüsse, und immer mehr und mehr dunkle Gestalten kamen aus dem Walde empor.
Die kleine Schar der Preußen focht löwenmutig gegen die Übermacht der Feinde. Einer nach dem andern fiel. Keiner kümmerte sich darum, sie stürmten voran, vorwärts, nur vorwärts.
Da plötzlich klang's hinter ihnen wie Hurrarufen. »Die Unsern,« schrie der Offizier, ein Schuß traf ihn, »vorwärts,« rief er noch und sank zu Boden.
»Vorwärts!« Hans-Heinrich von Seeheim stürzte todesmutig vor. Ein Schlag traf ihn an den Fuß, er taumelte, raffte sich wieder auf. Da stürzte ihm der Helm vom Kopf, plötzlich lief es ihm warm über das Gesicht, es flimmerte ihm vor den Augen, er stürzte zu Boden.
Er hörte Trompeten blasen, das Hurrarufen der Deutschen, dann, dicht neben ihm klang sein Name. Mit Anstrengung öffnete er die Augen und sah über sich geneigt Walter Flemmings Gesicht. Ein Freudenstrahl glitt über des Todwunden Züge. »Grüße meine Mutter – Kloningken – alle,« murmelte er und schloß die Augen.
Walter Flemming warf noch einen Blick auf den Freund, keine Möglichkeit, ihn aus dem Getümmel zu tragen, ehe er noch recht zur Besinnung kam, rissen ihn die Nachstürmenden fort, weiter, immer weiter, hinein in den Kampf.
Drei Tage noch tobte die furchtbare Schlacht. Das Donnern der Geschütze vermischte sich mit dem Geschrei der Kämpfenden, dem Stöhnen der Verwundeten, und blutigrot beleuchteten die brennenden Dörfer das trostlose Bild. Napoleon mußte fliehen. Die siegreichen Verbündeten zogen in Leipzig ein, und die schwergeprüfte Bevölkerung empfing mit dankbarem Jubel die Sieger.