Daran dachte Heine Peterle nun nicht. Ihm gefiel das Spiel und das zierliche geigende Mädel furchtbar gut. Er schwitzte ordentlich vor Entzücken; er wünschte, seine Feldburger Flöte wäre noch ganz, dann hätte er darauf blasen können, und als Marianne Sonntag die Geige sinken ließ, schrie er: »Das will ich auch lernen.«
»Nä, er ist und bleibt ein merkwürdiger Bube, unser Heine Peterle; aus dem wird noch was Großes,« sagte Muhme Rese zu Muhme Lenelies. Aber die gab keine Antwort. In ihren guten Augen lag ein stiller Glanz, sie schaute Marianne Sonntag an, wie ein Blumenfreund eine feine, schöne Blüte freudvoll betrachtet. Das Stadtmädel schien den Blick zu fühlen; es lief plötzlich auf die alte, arme Frau zu, legte beide Arme um deren Hals und flüsterte: »Muhme Lenelies, dich hab' ich aber doch am liebsten in Oberheudorf.«
»Fein hast du gespielt, Füchslein,« rief Jobst, der stolz auf die Freundin war.
»Ja, schene war's; blasen klingt freilich noch besser,« schnarrte eine Stimme, die wie eine knarrende Türe klang. Hans Rumpf hatte auch zugehört und nickte nun wohlgefällig. »Und gut ist's doch, daß es keine Tänze waren, sonst wär' gleich auf der Dorfstraße getanzt worden.«
»Ach ja, tanzen, wir wollen tanzen,« flehten ein paar Mädels.
»Nä, nä, das ist nicht,« brummte Hans Rumpf. Aber niemand hörte auf ihn. Füchslein begann wirklich eine lustige Tanzweise zu spielen. Sie kletterte dabei auf den Brunnenrand, und um sie herum hüpften und sprangen bald alle Buben und Mädel im Kreise. Im Takt, außer dem Takt, im Polkaschritt und Walzertritt, allein, zusammen, wie es gerade paßte. Eins schleifte, eins wiegte sich, eins schwenkte die Beinchen, als wollte es die eigene Nase treffen, eins trampelte einem andern auf die Füße, ein Mädel purzelte hin; aber alles in allem war es wunderschön.
Der herrliche Abend ging viel zu früh vorbei, und all die dicken, rotkarierten Federdecken sperrten ihre Mäuler auf, um die Buben und Mädel zu verschlingen. Die ließen sich das auch ganz gern gefallen, und mancher kleine Tänzer drehte sich im Traum noch weiter, linksum, rechtsum, fiedelfiedeldum. Heine Peterle aber sagte noch halb im Schlafe: »Ich will auch fiedeln lernen.«
Nur Traumfriede war an diesem Abend nicht so froh wie sonst. In Feldburg hatte er sich heiß nach Oberheudorf gesehnt, und heute sehnte er sich auf einmal nach Feldburg. Er schämte sich ordentlich, als er immer wieder denken mußte: »Könnte ich morgen einmal heimgehen ins Spiegelhaus! Wie mag es wohl dem Professor gehen?«