»Ach was, Vogelschießen ist genug,« brummte der Schulze.

»Aber – – aber, Zirkus soll so fein sein! Friede Hopserling sagt, man muß hin, weil – –«

»Na, wenn's Friede Hopserling so gut weiß, dann soll er dich man einladen und die andern dazu; mir ist's recht.«

Der Schulze schob seinen Teller ein Stück fort. Das war ein Zeichen: »Nun sputet euch, ihr andern, wir haben lange genug gegessen.«

Jakob wagte kein Wort mehr; aber nachher auf dem Dorfplatz erzählte er, was der Vater gesagt hatte. »Friede Hopserling läd uns nicht ein,« schrie Anton Friedlich, »aber vielleicht sonst wer.«

Ja, sonst wer! Niemand fand sich, der es tat. Die Tage kamen und gingen. Das Vogelschießen kam und ging auch vorbei und war vergnüglich wie immer, und schon guckten die Herbstferien in das Schulhaus hinein, und von einer Einladung war nichts zu sehen und zu hören. Da kam eines Tages ein Brief an den Lehrer, und der ging mit dem Schreiben zum Schulzen. Der lachte und sagte: »Meinetwegen.« Und ebenso sagten noch ein paar andere Bauern, und die Bäuerinnen setzten noch hinzu: »Man gönnt's ihnen schon, das Vergnügen.«

Auch Muhme Lenelies bekam einen Brief, und auch sie schaute froh drein; ja sie guckte geschwind mal nach dem Wetter und sagte: »Wenn's doch schön würde!«

Am nächsten Tag also gab es in der Schule eine große Überraschung. Keine solche, bei der die Feuerspritze die Schulstube unter Wasser setzt oder jemand in die große Trommel fällt oder in sonst etwas hinein, nein, eine wundervolle Überraschung war es. Professor von Spiegel lud Traumfriedes Freunde und Freundinnen zum Zirkus ein. Und das beste dabei war, die Eltern erlaubten es. Glücklicherweise begannen just die Herbstferien, und Sonnabend früh durften sie alle nach Feldburg fahren. Am Nachmittag war im Zirkus eine große Festvorstellung; zu der sollten sie gehen. Der Herr Lehrer hatte die Sache am Schulschluß gesagt, und das war gut. Wohl keines der Kinder hätte sonst mehr aufgepaßt.

»Eingeladen zum Zirkus!« Sie stürzten alle eilfertig auf die Straße. Dort konnte man sich doch ordentlich freuen, und das taten sie auch sehr laut und sehr nachdrücklich. In der Stadt hätten die Menschen wohl gleich die Feuerwehr herbeigerufen oder gedacht, ein Kirchturm oder mindestens drei Häuser wären eingestürzt, der Krieg sei ausgebrochen oder so etwas Ähnliches; doch in Oberheudorf war man nicht so zimperlich.

Vier Schultage waren es noch, und jeder Schultag dehnte und dehnte sich wie ein Stück Gummi. Unglaublich, wie es ein Schultag fertig bringt, so lang zu sein. Aber dann kam doch der Morgen, an dem es hieß: »Heute geht's nach Feldburg zum Zirkus!« Und daß es kein Traum war, bewiesen die beiden Wagen, die mit Tannengrün geschmückt auf dem Dorfplatz die Stadtfahrer aufnahmen.