»Sicher,« riefen die Frauen, und Heine Peterles Mutter, die auch herbeigekommen war, meinte: »Die warten auf Muhme Lenelies' Friede; der soll heute heimkommen.«

Der Abendwind trug jetzt näherkommendes Stimmengewirr zu den Wartenden hin, und die sagten zueinander: »Sie kommen schon, das Warten wird ihnen zu lang.«

Wirklich, sie kamen auch. Der Abendbrothunger trieb sie heim. In langem Zuge kamen sie an, und die Frauen kreischten erschrocken auf: »Aber so etwas! Was haben sie denn da!«

Seltsame Fahnen flatterten im Winde, und die Bäuerinnen riefen entrüstet: »Das ist meine Schürze,« »Unsere Tischdecke,« »Kathrines Rock,« »Mein Umschlagtuch,« »Nä so was, das ist Vaters Taschentuch,« »Je, und meine blaue Nachtjacke.«

Die Buben und Mädel erschraken, als sie vor der Scheune Väter und Mütter versammelt sahen. Sie hätten nun himmelgern ihre Fahnen versteckt, die sie heimlich in der Scheune hatten abbinden wollen. Nun war es zu spät. Die Fahnen hinwerfen und ausreißen ging auch nicht. Gesehen waren sie einmal, also zogen sie kleinlaut und recht langsam näher.

»Nur fix! Sollen wir euch Beine machen?« drohte die Schulzenfrau. »Warte, Jakob und Röse, ich will euch was lehren, mir meine Laken als Fahne zu nehmen!«

»Wir wollten Friede erwarten,« riefen die Kinder sehr kläglich.

»Aber der ist lange da! Um drei Uhr ist er schon gekommen; der hat lange Beine gemacht und um zehn Uhr schon frei bekommen,« rief die Waldbäuerin, die eben auch ihr Mariandel suchen kam.

»Juhu,« schluchzte Heine Peterle plötzlich, »jetzt krieg ich die Schimpfe umsonst.«

»Und Haue obendrein!« rief sein Vater; aber es war leicht zu merken, daß er es nicht so ernst meinte.