»Lydia,« mahnte ihr Mann endlich, »geh du da fort. Wenn einer was auf dem Herzen hat, dann kann er auch im Holzstall reden. Und der Fritze, um den lohnt’s schon. Den Besten hat sich der Herr Lehrer da ausgesucht, das is mal wahr.«

»Wenn er sich nur die Beste aussuchte,« murrte Frau Besenmüller. Und das tat der junge Lehrer wirklich. Als auf dem Schafskopf die Heckenrosen blühten, gab es Hochzeit in Steinach. Eine stille nur, denn für Feste war es keine Zeit. Aber Glück und Freude blühen auch in Kriegszeiten, und Pfarrers Regine war eine glückliche und eine frohe Braut.

»Der junge Herr Lehrer heiratet Pfarrers Regine!« Wenn die Spatzen von Steinach hätten singen können, dies hätten sie gesungen, so oft hörten sie es, von Mädeln und Buben, von Alten und Jungen. Am lautesten freute sich Frau Besenmüller und am meisten doch darüber, daß Vater Hiller in Steinach bleiben wollte. Er mochte nicht mehr zurückkehren in die Stadt, die ihm fremd geworden war. In dem großen Schulhaus gab es leere Zimmer, da wollte er wohnen, und Frau Fries und Frau Besenmüller versprachen ihm alle Pflege.

Eine bittere Enttäuschung war es den Kindern, daß nach der Hochzeit ihr junger Lehrer wieder fortging. Erst gesund werden, dann arbeiten, hieß es, und mit dem Gesundwerden dauerte es noch an, so schnell lernt einer nicht mit zwei Gliedern weniger fortzukommen.

Wieder reiften auf der Apfelstraße die Äpfel, und wieder mal hielt Besenmüller auf der verkehrten Straße Wache, da kamen Heinrich und Regine nach Steinach zurück. Draußen tobte noch der Krieg, aber Steinach lag im Frieden. »Vor zwei Jahren kam ich her, ein gesunder Mann mit einem mißmutigen Herzen, jetzt kehre ich zurück, ein Krüppel mit frohem Herzen,« sagte der junge Mann heiter. Sie hatten sich nicht angemeldet, sie wollten alle daheim überraschen. Wie sie aber so unter den ersten Bäumen hingingen, rauschte es in den Zweigen, und ein jauchzendes Gebrüll erhob sich: »Hurra, hurra, se sin da!«

Purzel, purzel kam es von den Bäumen herab, es hopste aus den Gräben heraus, und jauchzend umdrängten die Kinder ihren Lehrer. »Hurra, hurra!«

Bis zur Pflaumenstraße hin tönte das Geschrei, dort lauschte Besenmüller. »Nu haben se wieder etwas angestiftet. Nä, nä, Schelme sin se doch, was wahr ist, das ist wahr!«

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