Raoul sah etwas verdutzt drein, und Gottlieb prustete vor Lachen, dann neigte er sich an das Ohr des Freundes und flüsterte: »Napoleon.«

»Aber Gottlieb!«

»Ja, det stimmt, sagt unser neuer Geselle, der ein Berliner ist, er hat mir's gestern erzählt; sie nennen ihn so, weil er die Siegesgöttin samt ihrem Wagen vom Brandenburger Tor weggemaust hat. Fein, was?«

»Sehr fein,« lobte Raoul anerkennend, »den Gesellen muß ich sehen!«

»Komm nur heute abend, der schimpft ordentlich auf den Pferdedieb.« Gottlieb quiekte vor Lachen. »Wenn ich Pferdedieb sage, weiß keiner, wen ich meine.«

»Tu's lieber nicht,« riet Raoul. »Karl Wagner sagt, es sei vernünftiger, seinen Mund zu halten, die Zeit sei noch nicht da.«

»Ist auch gut,« brummte Gottlieb und reckte seine Gestalt, »ich will erst so weit sein, um mal mitgehen zu können, denn wenn sie erst mal den Pferdedieb verhauen, dann lauf' ich nach Preußen rüber, wenn es hier stille bleibt.«

Da waren sie beide am Haus in der Burgstraße angelangt, und Raoul lief nach kurzem Abschied hastig hinauf, denn die Zeit war knapp, und wehe ihm, wenn er noch nicht ausgeräumt hatte, wenn der lange Neumann kam.

Gottlieb blieb vor dem Hause stehen. Er steckte die Hände in die Hosentaschen und summte leise, ganz leise den Anfang eines Verses vor sich hin, den ihm sein neuer Freund, der Berliner Geselle, beigebracht hatte: »Warte, warte, Bonaparte!« Eigentlich meinte er just aber nicht den Kaiser der Franzosen mit seinem: »Warte, warte!« sondern vielmehr den langen Schreiber, seines Freundes Quälgeist. Als er den die Straße entlang kommen sah, verschwand er geschwind im dunklen Hausflur, drückte sich fest in eine Nische an der Haustüre und schob gerade in dem Augenblick, in dem Paul Neumann die Stufen überschreiten wollte, einen Stock vor. Der Lange stolpert, rutschte aus und fiel die Treppe mit ziemlichem Gekrach hinauf.