Die Steinbergs. (Seite 182.)

Der ergriff lachend des Bäsleins beide Hände. »Ich bin's, aber fast möchte ich fragen, bist du's, Gottliebe? Du siehst ja beinahe wie — eine junge Dame aus.«

Da hing sich Gottliebe lachend an seinen Arm. »Damit hat's noch gute Wege, aber weißt du, ich freue mich zum Platzen, daß du da bist.«

Raoul kam nicht dazu, ihr eine Antwort zu geben, die andern umdrängten ihn. Der Onkel zog ihn in seine Arme, Frau Maria küßte ihn liebevoll wie einen Sohn, Pfarrer Buschmann schüttelte ihm die Hand, Gottlobe wollte es auch tun, und Gottlieb schrie jauchzend: »Viktoria, Viktoria, er ist da, der Sieger ist da!«

Die Großmutter war still auf der Bank sitzen geblieben. Joachim stand neben ihr, und beide dachten unwillkürlich: Er muß erst die anderen begrüßen. Doch Raoul hatte die Großmutter schon von weitem gesehen, sie zuerst; sie war viel älter geworden und saß nicht mehr so aufrecht wie früher da, und es trieb ihn zu ihr hin. »Großmutter,« sagte er rasch und kniete neben ihr nieder, »verzeihen Sie mir!«

»Raoul, mein Kind, mein liebes, liebes Kind!« Die alte Frau zog des Enkels Kopf an sich. »O, daß ich dich wiedersehen kann, daß mir Gott diese Freude noch gab!« Und ganz leise, nur dem Jüngling verständlich, flüsterte sie: »Verzeih du mir, ich tat unrecht.«

»Das ist ja wie in der Kirche,« brummte Gottlieb vor sich hin. Er schnitt ein wütendes Gesicht vor lauter Rührung und wäre am liebsten davongelaufen, doch etwas hielt ihn, eine Art von Bangigkeit war's: Wie wird er Joachim begrüßen? Er hatte den einstigen Feind seines Freundes so lieb gewonnen, daß er den Gedanken schon unerträglich fand, die beiden könnten sich nicht verstehen.