Am nächsten Morgen hing den Sternbuben der Himmel voller Geigen. Es bekümmerte sie kein bißchen, daß es draußen regnete, plitsch, platsch, immerzu. Sie merkten auch nichts davon, daß unter den Geigen am Himmel etliche dicke, brummige Baßgeigen waren, bereit, ihnen mit Gebrumme und Gesumme auf den Kopf zu fallen. Beim Aufstehen schwätzten sie, als müßten sie an diesem Tage eine Million Wörter und etliche darüber verbrauchen, und sie merkten gar nicht Minas Jammermiene, als die in das Zimmer trat. Gleich ein Dutzend Fragen auf einmal purzelten Mina entgegen, doch die gab darauf keine Antwort, sondern sagte knurrig: „Seid still, schreit net so, Gundele ist krank. Der Hals tut ihr weh, das kommt von dem dummen Herumgestehe auf dem Gäßle.“

Plumps! da lag die erste Brummgeige am Boden.

Gundele krank! Ja, das ging doch gar nicht an! Die Buben mußten doch auf dem Schulweg mit der sanften Schwester von der Reise reden; dies war doch das Allerwichtigste auf der ganzen Welt!

Just in diesem Augenblick krabbelte dem Peter ein Nieser ins Näslein, und er nieste laut und vernehmlich: haizih! „Ich bin auch krank, ich muß zu Hause bleiben!“ schrie er.

„Haizih, haizih!“ antwortete Mathes. Bei dem klangen die Nieser etwas sonderbar, aber er schrie doch gewaltig: „Ich bin auch krank, ich kann net in die Schule gehen.“

„Wir unterhalten Gundele!“ schlug Peter vor.

Aber so ein paar Nieser machten auf Mina keinen Eindruck. Die sagte kaltblütig: „Wer krank ist, muß ins Bett und Süpple essen, nur Süpple. Na, und mit der Reise wird es dann wohl nichts werden.“

Haizih! Peter nieste vor Schreck gleich noch einmal, aber er rief doch sehr flink: „Ich bin net krank, pah, ein Schnüpfle ist net schlimm!“

„Na denn marsch in die Schule! Gundele laßt ihr jetzt in Ruh, die soll noch schlafen!“

Die Buben seufzten schwer, aber sie wagten kein Widerwort, denn mit Mina war schlecht verhandeln an diesem Morgen. Dies merkten sie schon. Ein paar Minuten später trabten sie der Schule zu, und sie hielten dabei Ausschau nach den Kameraden. Auch nach Herrn Häferleins Laden schielten sie hinüber, vielleicht stand der freundliche Kaufmann an der Türe und war zu einem Schwätzlein bereit. Doch niemand ließ sich blicken. Nicht einmal Bäckers Esel ging heute auf der Gasse spazieren, es sah auch niemand zu einem Fenster heraus. Weil nun die Sternbuben nicht mit jemand anderm von ihrer Reise reden konnten, redeten sie mitsammen. Sie taten dies so eifrig, als hätten sie sich tausend und einen Tag nicht gesehen, und darüber vergaßen sie ihren Schulweg.