Bumbum! hub da plötzlich die große Uhr der Marktkirche zu schlagen an. Lieber Himmel, schon so spät! Der Schreck fuhr den Sternbuben gewaltig in die Beine, sie begannen zu rennen und rasten mit gesenkten Köpfen vorwärts, weil sie meinten, es ginge so schneller. Auf einmal stießen sie aber dabei auf ein unerwartetes Hindernis. Jemand stellte sich ihnen entgegen, breitete die Arme aus und sagte gemütlich: „Euch laß ich net vorbei, ihr rennt sonst noch das Kirchtürmle um.“

Die Butterfrau Greinle, die allwöchentlich die Butter in den Silbernen Stern brachte, war es, die die Buben aufhielt. Sie wollte ein Späßle machen und dachte nicht an die Schule. Und weil Frau Greinle ein bißchen schwerhörig war, verstand sie auch nicht gleich, was Mathes und Peter ihr zuriefen. Die große, dicke Frau hielt die zappelnden Büblein fest und sagte neckend: „Euch nehm ich mit, euch kann ich gut zur Kartoffelernte brauchen.“

„Schule!“ schrie Mathes, und Peter kreischte: „Wir müssen rein, wir müssen rein!“

„Lieber Himmel, Frau Greinle, was machen Sie denn da!“ klang’s von der Schultreppe her. „Lassen Sie doch die Buben los, es hat ja schon angefangen!“ Der Schuldiener Hupp rief das sehr laut, und diesmal verstand es Frau Greinle, und sie gab erschrocken die Buben frei, die heulend die Treppe emporhasteten. Oben blieben sie aber stehen und klagten: „Jetzt kriegen wir ’n Strichle, huhuuuh!“

Schuldiener Hupp, der viel zu gut zu allen unnützen Buben und Mädeln war, tröstete die beiden Schelme. „Ich sag’s eurem Lehrer, nun geht nur!“

„Ich werd’s sagen!“ Trapp, trapp, kam die große, dicke Butterfrau die Treppe empor, und da rannten die Buben erschrocken hinein, denn der Gedanke, von Frau Greinle begleitet in die Klasse zu treten, war ihnen sehr unangenehm. Sie ahnten schon, sie würden ausgelacht werden, und sie wurden wirklich ausgelacht. Ihren Kameraden erschien die Geschichte sehr spaßhaft, selbst der Lehrer lächelte ein wenig, er meinte aber doch: „Etwas spät scheint ihr aber doch gekommen zu sein.“

Mathes und Peter sahen sich an, eigentlich war’s doch gut gewesen, daß Frau Greinle sie aufgehalten hatte, denn nun kamen sie ohne Strich oder Nachsitzen über das Zuspätkommen hinweg.

Aber ach, von den dicken Brummgeigen am Himmel purzelten an diesem Tage doch noch etliche auf der Sternbuben Köpfe. Sie hatten über der Reise vergessen, ihre Ranzen richtig zu packen, das Lesebuch fehlte, und Peters Schreibheft war nicht zu finden, auch hatten beide ein falsches Gedicht gelernt, und dies konnten sie noch nicht einmal, und in der Geographiestunde warfen sie beide die Länder, Meere, Städte und Flüsse durcheinander wie Nüsse in einem Säcklein. Lobstriche gab es darum nicht an diesem Tage, und Mathes und Peter rutschten gerade noch so knapp am Nachbleiben vorbei, und sie zogen nach der Schule recht bedrückt heim.

Der Regen hatte nachgelassen, aber Gundel lag immer noch im Bett. Sie war zwar nicht sehr krank, aber die Mutter gebot doch: „Ihr Buben bleibt draußen, Gundel muß Ruhe haben.“

Dies war sehr betrüblich, denn die Buben hätten himmelgern mit der Schwester geschwätzt und hätten mit ihr Reisepläne geschmiedet, auch machten ihnen die Schularbeiten wenig Spaß ohne Gundels Hilfe. Sie wollten schon das Arbeiten vergessen, als ihnen noch zur rechten Zeit einfiel, nur wenn sie bis zuletzt fleißig waren, durften sie reisen. Darum setzten sie sich gleich nach dem Mittagessen hin und arbeiteten ganz brav und emsig. Mina, die es sah, sagte zu Käthle: „Wirklich, unsere Buben sind jetzt arg fleißig, an solchen Tagen haben sie sonst immer ein Dummheitle gemacht, und heute hört man sie kaum.“