Als Ida mit dem Nachtisch ins Bubenstüble kam, fand sie die beiden bitterlich weinend am Fenster stehen.

„Heult nur nicht!“ tröstete sie gutmütig. „Fräulein Eva hat euch ordentlich viel süße Speise geschickt und da auch noch kleine Kuchen dazu, kommt nur und eßt!“

Ida ging wieder aus dem Zimmer, und die Sternbuben aßen den Nachtisch. Aber Tränen sind keine gute Würze. Das köstliche Gericht schmeckte ihnen nicht, die Herzen waren ihnen schwer, sie fühlten sich einsam und unglücklich, und Mathes sagte endlich mit tiefem Seufzer: „Ich möcht’ heim!“

„Ich auch!“ Peters Tränen salzten die süße Speise. Bissen um Bissen stopfte er in den Mund, und als er fertig war, heulte er laut: „Ich will heim!“

Als Eva von Ringewald nach einem Weilchen kam, um nach ihren Schützlingen zu sehen, fand sie zwei rechte Jammerbübles am Fenster stehen. Sie tröstete linde, sagte, sie wäre nicht böse, ließ sich sogar die Malerei zeigen, das Bildle, das sie haben sollte, ermahnte, es fertig zu machen, und meinte, als sie ihre Gäste verließ, um mit dem Onkel, während die Mutter schlief, Schach zu spielen, alles sei nun gut.

Heimweh ist aber ein böses Ding. Wenn es einmal da ist, spaziert es nicht so geschwind wieder zum Herztürlein hinaus. Und in den Herzen der Sternbübles saß das schlimme Ding und erzählte an diesem Regensonntag immer vom Silbernen Stern und der Löwengasse.

Am liebsten wären beide rutsch! mit der Bahn heimwärts gefahren. An Regentagen war’s auch lustig in der Löwengasse; da platschte man im Gäßle herum, ließ Schiffchen schwimmen, lief zu den Nachbarn. Da rannte man husch! husch! und sagte dann stolz: „Ich bin unter dem Regen weggelaufen, kein Tröpfle hat mich getroffen.“ Man sagte das nämlich auch, wenn man quitschquatschnaß war.

Ja, das Löwengäßle, wenn man doch gleich mal hätte dort sein können!

Und vor Heimweh kamen die beiden in eine bitterböse Streitlaune.

„Wir wollen malen,“ sagte Peter.