Im Nebenzimmer tönten die Stimmen lauter, Schritte erklangen, da sagte Frau Reinach noch rasch: „Jetzt muß ich auch gehen, Kinder. Lebt wohl und vergeßt das Waschen nicht vor dem Essen.“

Bedrückt schlichen sich Mathes und Peter in ihr Zimmer. Da lag ihre schöne, bunte Malerei auf dem Tisch, und sie sahen fast böse darauf hin. Die dummen Farben, warum klebten die auch so an! Seufzend gingen sie beide an den Waschtisch und begannen eine große Rumpelei. Sie wollten sich sehr schön machen und nahmen dazu ihre Bürstlein zu Hilfe; sie rieben und rieben, bis Gesichter und Hände krebsrot waren, da endlich fanden sie, es sei genug geschehen. Just da kam Ida ins Zimmer. Die rief schon an der Türe ärgerlich: „Buben, was habt ihr denn gemacht? Schelte hab’ ich noch um euretwillen gekriegt. Na, seid ihr nun rein? Je, je, ihr glänzt ja wie ’n paar Tomaten!“

So eine stille Mahlzeit wie diese hatten die Sternbuben im Hause der Pate noch nicht erlebt. Frau von Ringewald fühlte sich matt, sie sprach kaum, nur manchmal warf sie den Buben einen freundlichen Blick zu. Auch Eva tat das. Deren Groll war rasch vergangen, weil aber Mathes und Peter mit ihren Nasen beinahe auf den Tellern lagen, sahen sie die guten Blicke nicht. Sie hörten nur immer Herrn Brummerjan reden. Der hatte eine heisere Stimme, die immer verdrießlich klang, immer so, als tadele er. Wie gut er es eigentlich im tiefsten Herzen meinte, das wußte nur seine Schwester. Die wußte auch, daß der Bruder mit ihr um den verlorenen Sohn litt, wußte, daß er seine Strenge längst bereute. Eva dagegen grollte dem Onkel bitter, und darum war sie wie immer in seiner Gegenwart schweigsam.

In diese Stille hinein klang ein paarmal ein lautes Klirren und Klappern. Erst fiel Peter seine Gabel auf den Fußboden, dann warf Mathes beinahe den Teller hinab. Jedesmal sagte Herr Brummerjan ärgerlich: „Nicht so laut!“ und jedesmal klapperten die Buben vor Schreck noch lauter.

„Die Buben sind schrecklich unerzogen!“ rief der Onkel gereizt. „Sie sollten wirklich nicht mit am Tisch essen.“

Und das sagte er gerade, als Ida eine schöne rosenrote süße Speise brachte, die gar lieblich duftete.

Die Sternbuben erschraken. Und wie es kam, wußte Mathes selbst nicht: sein Teller begann zu rutschen, er wollte ihn halten, Peter wollte helfen, und da sprang Peters Teller hops! vom Tisch, es klirrte, und das feine Gerät lag zerbrochen am Boden.

„Unausstehlich ist’s!“

Eva stand rasch auf, sagte leise zu den Buben: „Kommt!“ und führte die zwei still aus dem Zimmer. „Ida bringt euch den Nachtisch in euer Zimmer, geht jetzt,“ sagte sie draußen, und dann kehrte sie selbst schnell in das Speisezimmer zurück. Sie wollte um der Mutter willen den Onkel nicht ärgern.

Vom Mittagstisch weggeschickt!