Wie eigentlich alle Farben aus dem Tuschkasten auf ihre Gesichter und Hände gekommen waren, das wußten sie nicht, aber da waren sie. Besonders Peter sah beinahe wie sein zitronengelber Hirtenjunge selbst aus, ganz papageienbunt.
Und die Hände, ach die Hände erst!
Mathes und Peter wären arg gern in ein Mauslöchle oder Fingerhütle gekrochen, doch keins von beiden war da. Sie blieben daher vor Schreck wie angewurzelt stehen, hörten Gelächter, hörten auch Herrn Brummerjans verdrießliche Stimme: „Deine Schützlinge sehen nicht gerade sonntäglich aus, Eva!“
„Geht hinaus!“ Eva von Ringewald sagte es dreimal, sagte es so streng, wie sie sonst nie sprach. Aber Mathes und Peter waren zu verdattert, die rührten sich nicht.
„Ärgern Sie sich nicht, Fräulein von Ringewald, die beiden haben gemalt, da kommt so etwas vor.“ Die Stimme klang den Buben hold in die Ohren, und sie sahen flehend zu der schlanken, hübschen Frau auf, die neben sie getreten war. „Ich muß euch doch einmal anschauen, denn sonst ist meine Annedore betrübt.“
Und sacht schob Annedores Mutter Mathes und Peter in das Nebenzimmer. An der Türe drehte sie sich um und bat: „Ich darf, nicht wahr? Ich möchte doch meiner Annedore neue Freunde kennenlernen!“
Und dann waren die Buben allein mit Frau Reinach, sie hörten die gütige, frohe Stimme, und da wagten sich allmählich ein paar Wörtlein aus ihren Mündern. Annedores Mutter wußte gut, wie man Bübles und Mädles, wenn der Mund zugefroren scheint, auftaut. Ihre Stimme klang wirklich wie ein sanfter, warmer Sommerwind. Die Sternbuben hatten in den letzten lustigen Tagen, an denen vielerlei im bunten Wechsel an ihnen vorübergezogen war, herzlich wenig an Breitenwert, an den Silbernen Stern, ihre Mutter und an Gundel gedacht. Plötzlich fiel ihnen alles ein. Ihre Mutter sprach anders als Frau Reinach, und doch meinten sie, die Mutter zu hören. Irgend etwas zwickte und zwackte da an ihren Herzlein herum, tat weh und machte sie traurig.
Annedores Mutter strich ihnen sacht über die beschmierten Gesichter. „Nun geht, ihr zwei, und wascht euch und seid wieder vergnügt. Übermorgen müßt ihr wieder zu uns kommen. Annedore freut sich schon darauf. Soll ich sie grüßen?“
Mathes und Peter nickten, und weil ihnen nichts zu sagen einfiel, nickten sie wieder und wieder. Endlich murmelte Peter schüchtern: „Kann sie net morgen kommen?“
„Nein, morgen ist sie zu ihrer Freundin Herta eingeladen, da darf sie nicht mehr absagen.“