„Mäuse, Mäuse! Die Bengels haben Mäuse mitgebracht, und nu lachen se noch!“ Hulda schüttelte ihre Röcke, sie fürchtete, die Mäuse wären an ihr heraufgekrochen. „Sie beißen, sie beißen!“ stöhnte sie.
„Die Jungen sind an den Spielschrank gegangen,“ rief Eva. „Hulda, schämen Sie sich, Sie sind ein rechter Hasenfuß, laufen vor ein paar Spielmäusen davon!“
Sie ging in das Zimmer, und dort fand sie die Hemdenmätze mitten in der Überschwemmung stehen. Die Mäuse, Hahn und Ente hatten das Laufen eingestellt; Wasser vertrugen sie nicht, selbst der Ente war es zu viel. Mathes und Peter waren sehr verdutzt über Huldas Davonlaufen. Und als sie die draußen schluchzen und jammern hörten, denn Evas Wort vom Hasenfuß hatte die treue Seele bitter gekränkt, dachten sie, das Klagen gelte dem Kruge, und sie riefen Eva eifrig entgegen: „Das Krügle ist net ganz entzwei!“
„Nur der Henkel ist ab!“ erklärte Mathes.
„Ein paar Sprüngle hat’s,“ fügte Peter hinzu.
„Und laufen tut es vielleicht auch.“ Eva nahm lachend Mathes den Krug aus der Hand; sie sah den ausgeräumten Spielschrank, die Tiere in der Wasserflut, und sie zwang sich zu einem ernsten Gesicht und sagte: „Spielt ihr in Breitenwert auch erst, ehe ihr euch anzieht? Das ist bei uns nicht Mode!“
Den Buben fuhr der Schreck gewaltig in die Glieder, und sie stürzten sich eilfertig auf ihre Sachen. Das liebliche Fräulein Eva mochten sie gewiß nicht kränken.
Rips, raps, rups — ging es. Mathes zog zwei Strümpfe über ein Bein, Peter versuchte verkehrt in seine Hosen zu schlüpfen, und dann schrie Mathes: „Das sind meine!“ und Peter schrie noch lauter: „Meine sind’s!“ Einer zog nach rechts, einer nach links, dann gab einer dem andern einen Puff, und die Hösles flogen hoch im Bogen durch das Zimmer.
„Streitet euch doch nicht!“ Eva mahnte es, aber da sah sie, wie sich die Brüder vor Lachen krümmten, und sie ahnte, so machten die es oft. Sie räumte flink den Spielschrank ein, zog vorsichtig wieder den Schlüssel ab und sagte plötzlich gelassen zu den beiden, die sich noch immer um ihre Kleidungsstücke rauften: „So, wer jetzt nicht in fünf Minuten fertig ist, der bekommt kein Frühstück!“
Das Wort half wunderbar gut. Jetzt fuhr auf einmal jeder Bube ins rechte Hosenbein, und bald standen beide blitzblank und fertig da, und Eva führte sie in das Frühstückszimmer. Dort wartete Frau von Ringewald schon am zierlich gedeckten Tisch. Und Hulda stand da, bereit, Kaffee einzugießen, aber mit einer Miene wie eine Pulvertonne, die in die Luft fliegen will.