Die Sternbübles dachten an keinen Regenschirm der Welt, sie standen höchst munter und vergnügt auf und schwätzten den Tag an wie zwei Spatzen auf der Dachrinne. Sie erwarteten von dem Tag vielerlei an Lust und Freude. Als sie aber in das Frühstückszimmer kamen, sah es da eher nach Regenwetter aus. Frau von Ringewald lehnte sehr bleich in ihrem Stuhl, und Fräulein Eva ermahnte gleich: „Seid stille, Mutter fühlt sich nicht wohl.“
Die Buben erschraken. Sie kannten das gar nicht, daß eine Mutter krank war. Die ihre war immer gesund und immer tätig. Also wußten sie auch nicht recht, was sie tun sollten, vergaßen das Gutenmorgensagen und blieben verdattert in der Mitte des Zimmers stehen.
„So schlimm ist es nicht,“ sagte die Frau Pate linde, „kommt nur her und sagt mir guten Morgen, ihr könnt auch reden, soviel ihr wollt.“
Wenn nun auch das Reden erlaubt war, mit dem Gang in die Stadt wurde es an diesem Morgen nichts. Mathes und Peter bekamen weder das riesengroße Denkmal zu sehen, das zur Erinnerung an die Leipziger Völkerschlacht erbaut wurde, noch das Museum, das wie ein großes Bilderbuch sein sollte. Eva, die sehr besorgt um ihre Mutter war, wollte nicht weggehen, ehe nicht der Arzt dagewesen war; sie riet also den Gästen, sie möchten sich etwas im Garten umschauen.
Garten ist Garten, dachten die beiden; wenn er auch klein war, spielen ließ sich schon drin. Also zogen sie ganz vergnügt hinein und durchschritten ihn erst einmal vom Anfang bis zum Ende, guckten in alle Winkel hinein, und dann begannen sie zu zählen, was es alles drin gab. Erst die Bäume, dann die Büsche, und dabei stellten sie fest, es gab nur einen einzigen Birnbaum im Garten und keinen Beerenstrauch.
So ein Garten! Lieber Himmel, da waren die Breitenwerter Gärten andere Kerle!
Selbst in Amhags Garten, der doch klein war, hatte es diesen Sommer Johannisbeeren wie kleine Kirschen so groß gegeben. Verächtlich sahen beide lange und angestrengt zu dem Birnbaum auf, und endlich sagten sie enttäuscht: „Es hängt nichts dran.“
„Was soll denn dranhängen? Zuckerwerk vielleicht wie an einem Weihnachtsbaum?“ fragte über den Zaun hinüber ein spitzes Stimmchen.
Verwundert blickten Mathes und Peter dem Klange nach, und da sahen sie zwei Mädel, ungefähr in ihrem Alter, im Nachbargarten stehen, die sehr spöttisch dreinsahen und kicherten, als wären die Sternbuben ein paar Hampelmänner. „Was macht ihr denn da?“ fragte die eine, die eine rosa Schleife wie eine Taube so groß im blonden Haar trug.
„Ihr seid wohl Gärtnerjungen, weil ihr die Bäume so anseht?“ fragte die andere, deren braune Zöpfe mit weißen Schleifen verziert waren.