„So viel Geld hab’ ich nicht mehr,“ erklärte Annedore.
Doch Herta hatte Geld, und Herta hatte noch keine Lust heimzugehen. Sie war jetzt auch keine kleine Dame mehr, sondern ein sehr wilder, sehr ausgelassener Irrwisch. Sie ging nicht, sie hopste, lief an die Buden heran und fragte: „Was kostet dies, was kostet das?“ und rannte dann lachend wieder weg. Sie saß auch zuerst wieder auf dem Karussell, ritt auf einem Panther, und kaum hatte die Dreherei aufgehört, da rannte sie schon zur Luftschaukel hin. „Jetzt wird’s fein!“ schrie sie. „Kommt flink!“
„Ich fahr nicht mit,“ sagte Irene, „mir wird’s schwindlig.“
Annedore zögerte, und Herta ergriff Peters Hand: „Komm du mit!“ Peter folgte und Mathes folgte, und schließlich kam Annedore auch mit, und kaum saßen alle vier, da drehte sich die Schaukel, die Wagen stiegen höher und höher, schon konnten die Kinder auf die Köpfe der Zuschauer sehen, nun auf die Budendächer, noch höher ging’s hinauf, da schrie Herta plötzlich: „Ich falle, ich falle!“
Mathes packte sie, Annedore umklammerte sie, Peter faßte sogar zur Sicherheit ihr Kleid. Herta konnte nun wirklich nicht fallen, und doch schrie sie unausgesetzt und wurde so weiß wie ein Blättlein Papier.
Die Buben bekamen Angst. Auch sie meinten, alles drehe sich unter ihnen, auch sie dachten, wir fallen. Aber da ging es schon wieder abwärts, schnapp! stand die Schaukel, und ein Mann rief: „Bitte aussteigen!“
Die vier Luftfahrer wollten das auch tun. Annedore zog Herta, die Buben schoben, und plötzlich purzelten alle vier aus dem kleinen Wagen heraus, sie wußten nicht wie.
Lautes Lachen brauste ringsum auf. Ein paar Stimmen riefen: „Ihr Diener, meine Herrschaften, nicht zu höflich!“
Und dann griffen etliche Hände zu, und endlich standen die vier wieder auf ihren Beinen. Zwar drehte sich noch alles um sie herum, aber ein Mann klopfte ihnen freundlich den Staub von den Kleidern und tröstete sie: „Das geht bald vorbei. So, nun ist’s gut; na, da sitzt noch Staub.“ Er klopfte an Mathes herum und an Peter und sagte zu Herta: „Du verlierst dein Taschentuch, kleines Fräulein.“ Er war überhaupt so freundlich, wie nur einer sein kann. Er brachte auch noch alle vier zu Irene, wünschte ihnen noch viel Vergnügen, und ehe sich die Kinder bedanken konnten, war er verschwunden.
„Der war nett!“ Herta sah sich nach nach dem freundlichen Helfer um, auch die Sternbuben drehten sich nach allen Seiten um. Da war er nicht und dort war er nicht, aber — sie jauchzten laut auf — dort war der Zigeuner.