Zehntes Kapitel.
Herr Brummerjan und der Fahrstuhl.
Noch ehe die Kirschenspeise kam, wußte Eva von Ringewald alles. Mathes und Peter erzählten, zusammen und allein; einer redete von der Luftschaukel, der andere von dem verlorenen Geld, sie schwätzten vom größten Weltwunder und dem merkwürdigen Zigeuner, und als Hulda selbst die süße Speise brachte, da gab es gerade ein fröhliches Gelächter am Tisch, und Eva sagte: „Sie sollen beide Nachtisch bekommen, Hulda. Ein bissel unnütz war zwar das Fortlaufen, aber sie sagen, sie wollen es bestimmt nicht wiedertun.“
„Bestimmt net!“ rief Mathes.
„Du mußt immer mitkommen, Fräulein Eva,“ bat Peter.
„Sagt Tante Eva!“ Es fiel Eva ganz plötzlich ein, daß sie den Bübles eigentlich gern eine gute Tante sein wollte, und sie merkte auch an den strahlenden Augen, denen gefiel dies ausnehmend gut. „Na also, dann ist das ’ne Tantenspeise!“ Hulda setzte das leckere Gericht auf den Tisch, und ehe sie aus dem Zimmer ging, sagte sie noch, fast ein bißchen eifersüchtig: „Mir müßt ihr aber auch noch von der Messe erzählen!“
Mathes und Peter versprachen das gern, und nachdem sie sich noch die Mäglein mit der süßen Speise gefüllt hatten, riet ihnen die liebliche Tante selbst, sie sollten jetzt zu Hulda gehen, wenn nicht etwa ihre Briefschreibelust groß wäre.
Doch die Lust war weder groß noch klein, sie war gar nicht da, und so stiegen denn die Buben zu Hulda hinab und erzählten ihr und Ida die Abenteuer des Morgens. Darüber verging die Zeit geschwinde. Die Kaffeestunde kam. Mathes und Peter stiegen wieder die Treppe hinauf, und oben im Gartenzimmer gab es eine große Überraschung. Frau von Ringewald saß wieder in ihrem Sessel. Es ging ihr besser, und auch sie wollte nun von dem Meßbesuch hören. Da mußten die Gäste zum drittenmal ihre Abenteuer erzählen. Sie fanden dies höchst vergnüglich, und wenn noch drei Zuhörer und dann wieder drei Zuhörer gekommen wären, den beiden hätte es den größten Spaß gemacht.
Frau von Ringewald hörte mit einem so heiteren Gesicht zu, daß Eva in ihrem Herzen dachte, vielleicht werden sie doch noch Trostbübles für die Mutter. Mathes und Peter selbst fanden, die Pate höre noch besser zu als Hulda. Die hatte immer von der Luftschaukel hören wollen und den merkwürdigen Zigeuner langweilig gefunden, während Frau von Ringewald gerade von dem etwas wissen wollte. „Geige spielt er,“ murmelte sie, und das frohe Lachen erlosch wieder auf ihrem Gesicht.
Einen Augenblick war’s ganz still im Zimmer.