„Wir sind schuld,“ unterbrach Annedore sie rasch, und dann erzählte sie, flinker als ein Regentröpflein fällt, von dem gemeinsamen Meßbesuch und dem verlorenen Geld. „Ich glaube, das hat uns der Mann gestohlen, der an der Luftschaukel stand,“ schloß sie.
„Jemine, damit seid ihr gefahren und kommt heil und lebendig nach Hause!“ schrie Hulda. „Ihr seid doch —“
„Sie können nichts dafür,“ unterbrach sie Annedore wieder, und ihre blauen Augen sahen flehend zu Hulda auf. Schilt nicht! bettelte der Blick.
Das war noch ein Kamerädle! Mathes reckte sich und rief: „Sie kann auch net dafür, sie hat gedurft, und ein Gröschle hat sie und ist net mit dem Bähnle gefahren ohne uns, und sie ist net davongelaufen, und sie sagt, sie wär’ unser Kamerädle.“
„Ja, und die Jungen müssen mich besuchen, und ich besuche sie, und wenn sie wieder abreisen, dann schreiben sie mir.“
„Na, dann ist ja die Freundschaft im besten Gange!“ brummelte Hulda. „Aber wo sind denn die andern, ich denke, die sind auch dabei?“ fragte sie.
„Davongelaufen sind sie!“ Und nun ging das Erzählen an, und Hulda hätte wohl den Meßbesuch von Anfang bis zu Ende erzählt bekommen, wenn sie nicht gesagt hätte: „Das Mittagessen ist längst fertig.“
„Ich muß heim; morgen auf Wiedersehen!“ Annedore lief davon, daß ihre Zöpfe flogen, und die Sternbuben hasteten die Treppe hinauf, und oben an der Türe stand Fräulein Eva und hatte verweinte Augen, und sie sagte traurig: „Nun habe ich mich wieder um euch gesorgt!“
Da hingen Mathes und Peter die Köpfe wie zwei Schneemännlein, wenn der Tauwind bläst, Hulda aber sagte: „Lassen Sie sich nur erst erzählen, Fräulein Eva, wie’s war; ihr Kamerädle, wie sie’s nennen, sagt, sie wären nich schuld daran. Wenn sie aber was Dummes gemacht haben, dann gibt’s keine Kirschenspeise nachher.“