„Ich will — su — suchen gehen,“ schluchzte Peter. Der meinte, es könnte nicht schwer sein, auf dem Meßplatz zu suchen.

„Ihr seid zu dumm!“ Herta hatte schon wieder die Tränen getrocknet, und sie, die draußen so wild gewesen war, ging nun wieder einher wie eine kleine Dame. „Seid stille,“ fuhr sie die Buben an, „so ein Geschrei schickt sich nicht!“

So schnell wurden die Buben aber mit ihrem Kummer nicht fertig, die heulten weiter. Da verlor Herta die Geduld. Als eine Frau gar fragte: „Was fehlt euch, Kinder?“ rief sie heftig: „Das schickt sich nicht, ich schäme mich mit euch zu gehen; komm, Irene!“ Und blitzschnell bogen beide in eine andere Straße ein und riefen von dort: „Komm mit uns, Annedore!“

„Nein!“ Annedore schüttelte den Kopf sehr nachdrücklich, und ihre rostbraunen Zöpfe flogen hin und her. „Ich lasse die Jungen nicht im Stich, die kennen den Weg noch nicht,“ rief sie ärgerlich den Freundinnen nach.

Im Augenblick hörten Mathes und Peter auf zu weinen. Hertas und Irenes feiges Davonlaufen kränkte sie, und Mathes sagte trotzig zu Annedore: „Kannst auch gehen, wir finden den Weg schon!“

Aber Annedore lachte über den trotzigen Bubenstolz. „Mitgefangen, mitgehangen, sagt mein Vater immer,“ antwortete sie. „Ihr wißt den Weg doch nicht, und würdet ihr mich denn im Stich lassen?“

„Noi!“ riefen beide Buben, und Mathes fügte wichtig hinzu: „Seine Kamerädles läßt man net im Stich!“

„Kamerädles!“ jauchzte Annedore. „Wie fein das klingt! Wir sind Kamerädles, hurra, und kommt, jetzt rennen wir; da kommen wir noch eher heim als die andern.“

Den Buben war das sehr recht. Sie faßten sich alle drei an den Händen und rannten die Straßen entlang, und Annedore erzählte dabei von ihrem Zuhause und fragte die Buben nach Breitenwert. Darüber vergaßen die beinahe ihre verlorenen Schätze. Atemlos kamen sie alle bei Ringewalds an. Dort standen Hulda und Ida auf der Straße und hielten Umschau nach den Verlorenen, und oben am Fenster erschien Evas verweintes Gesicht.

„Herrje!“ schrie Hulda böse, „ihr —“