„Entzückend, dies Vertrauen!“

„Gut, daß nicht alle Leute den lieben Gott so viel bitten wie unsere Leni, der Arme, er hätte sonst zu viel zu tun.“

Die Frauen lachten. An das Ohr der kleinen Lauscherin drangen seltsame Worte, sie verstand sie nicht und meinte doch, der liebe Gott müßte bitterböse werden, weil man so von ihm sprach. Konnte denn der liebe Gott nicht alles, wußte er nicht alles?

Wieder umtönte das Lachen der Frauen Leni. Die schrie plötzlich laut auf, und nebenan verstummte jäh das Lachen. Die Mutter und die Tanten kamen erschreckt in das Zimmer, und Leni sah — ihren himmelblauen Brief in der Mutter Hand.

„Sie hat gehorcht!“

Die Mutter sah verwirrt auf ihr Kind, sie wollte es in die Arme nehmen, doch Leni wehrte sich störrisch, sie rutschte von ihrem Schemelchen herab und rannte hinaus, lief in die Küche und stand plötzlich vor Wut schreiend vor Martha.

Die begriff nicht den Zorn ihres Lieblings, wußte nicht, daß sie des Kindes Vertrauen getäuscht hatte, und sie wollte trösten mit täppischen Liebkosungen wie sonst, doch Leni wehrte sich ungestüm, sie biß und kratzte, sie ließ sich auch nicht von der Mutter in die Arme nehmen, und als auch die Tanten in die Küche kamen, streckte sie ihnen ihr rotes Zünglein entgegen.

An diesem Nachmittag war Leni kein süßes, reizendes Kind. Sie blieb ungebärdig, und als sie in ihrem Bettchen lag und die Mutter ein wenig zögernd mahnte: „Willst du nicht beten!“, da huschelte sich Leni flink in die Kissen und knurrte: „Ich mag nicht!“

„Du bist ungezogen,“ sagte die Mutter streng, „der liebe Gott wird ganz böse auf dich sein!“ Sie ging hinaus und wußte nicht, wie tief ihres Kindes Sehnsucht nach ihr klagte. Sie wußte nichts von allem, was heute in dem kleinen Herzen zerbrochen war, welch köstliches feines Blümlein zerknickt am Boden lag. Leni war ungezogen gewesen, das kam vor, morgen würde sie wieder brav sein, denn ein süßes Ding war sie doch.

Und Leni weinte sich in den Schlaf, tat dann eine Reise ins bunte Traumland und wachte am Morgen hungrig und spiellustig auf.