„Hat der liebe Gott sehr gezankt?“
„Nein, nein, so sehr nicht! Er hat ein bißchen mit dem Finger gedroht und dann hat er dem kleinen Ausreißer über die Flügel gestrichen, da wurden die wieder heil. In seiner großen Güte hat der liebe Gott wohl gedacht, du kleiner Vorwitz du, du hast Strafe genug gehabt.“
Dem Heinerle war die Geschichte tief ins Herz gesunken, so wie ein Regentropfen in eine Blüte fällt. Er läuft auf die Wiese, wo die Himmelsschlüssel blühen, goldgelb und heiter, so recht frühlingsfroh.
Blau ist der Himmel, klar die Luft, eine Lerche wirbelt singend zur hellen Höhe empor, doch Heinerle hört nichts und sieht nichts, er pflückt Blumen, viele, viele und denkt an das Märlein, das ihm Wahrheit dünkt. Die gelben Blumen schließen den Himmel auf!
Wem denn?
Wer ein Engel werden will, muß sterben. Heinerle steht und denkt an das Sterben und leise Schauer durchzittern sein Herzlein.
Wer stirbt denn aber? Der alte Tischler Seifert vielleicht, gestern noch hatte es Heinerle sagen hören, er würde bald sterben.
Soll er dem die Blumen bringen? Damit er es leicht hat, in den Himmel zukommen und Sankt Petrus auch sagt: „Eia, du bist aber vorsichtig, lieber neuer Engel du!“
Ich bring' ihm die Blumen! Husch, ist der Gedanke da, und schon rennt Heinerle ins Dorf zurück. Er hat es sehr eilig, will nicht zu spät kommen mit seinen goldenen Wunderschlüsseln.
Seiferts Johann ist alt und arm, und alle Not des Lebens ist über ihm gewesen, und er ist durch viele dunkle Täler geschritten. Davon weiß Heinerle nichts, er weiß noch nicht, was es heißt, alt, arm und einsam sein. Für ihn hat der alte Mann in Lust und Freude gelebt, denn dem muß es doch gut gehen, der eine Katze und vier Vögel hat, die sich mitsammen vertragen. So etwas Wunderbares.