Wenn Peter daheim fällt, dann heult er, bis man ihn aufhebt, ihn tröstet, ihm einen Leckerbissen verspricht, und darum heult er jetzt auch, heult jämmerlich, aber — es hebt ihn niemand auf. Nur eine dünne schrille Stimme schreit ihn an: „Biste gefall'n?“

Es ist, als ob diese Stimme den Kleinen in die Höhe zieht, er steht auf und sieht sich höchst verwundert um, da steht ein Mädel, etwas größer als er, die sieht ihn spöttisch an und fragt höhnisch: „Haste dich dreckig gemacht?“

Daß die weißen Höslein schmutzig sind, bekümmert Peter nicht weiter, denn daheim liegen noch viele saubere weiße Höslein, er sieht nur die Fragerin, wie ein Weltwunder starrt er sie an. Sie trägt ein verschlissenes Kleid, im schwarzen Wuschelkopf brennt ein rotes Bändchen und in den festen braunen Händchen hält sie eine unglaublich dicke Schnitte, deren Musbelag seine Spuren dem ganzen Gesichtchen aufgedrückt hat.

„Willste mal beißen?“

Peter ißt zu Hause nicht alles, was man ihm reicht, aber in die dicke Schnitte beißt er herzhaft hinein, und während er kaut und schluckt und auch ein Musbärtlein bekommt, sagt die Spenderin: „Ich heiße Mine, wie heiste denn?“

Peter gurgelt seinen Namen heraus, und die Freundschaft ist geschlossen. Mine pflegt schnell Freundschaften zu schließen, und weil weder Guste noch Marie, Liese, Otto, Fritze und Paul just auf der Straße sind, um mit ihr zu spielen, kommt ihr der kleine Weltreisende gerade recht. Sie fragt: „Wo kommste denn her?“

Peter weiß nicht, wo seines Vaters Haus liegt, er ahnt aber dumpf, Mine würde Verständnis haben für seine Reise in die weite Welt. Er erzählt. Nicht ganz so zungenschnell, wie Mine redet, aber die versteht ihn gut, sie nickt und antwortet beifällig: „Wenn ich Haue kriegen soll, reiß ich immer aus. Vater haut so sehr. Woll'n mer Himmel und Hölle spielen?“

Peter kennt das Spiel nicht, und Mine nennt ihn ohne viel Umstände dumm, sie sieht ihn etwas verächtlich an, aber sein weißer Anzug, seine wohlgepflegte Niedlichkeit versöhnen sie doch wieder, und sie nimmt den kleinen Ausreißer gnädig als Lehrling an. Und dann kommen Guste und Marie, Fritz und Paul gesellen sich dazu, und alle blicken halb mißtrauisch, halb verlegen den „feinen Neuen“ an. Doch Mine erklärt, und das Zauberwort: „Er ist ausgerissen“ befördert das Vertrauen; Peter darf mittun.

Sie spielen auf der Straße. Peter hat es noch nicht geahnt, welche wunderbaren Spiele es gibt. Himmel und Hölle ist bald abgetan, Feuerwehr wird gespielt und Schutzmann. Paul mimt zur johlenden Freude der anderen einen Betrunkenen, so wie gestern einer auf der Straße herumgetorkelt ist. Er schimpft wie der Betrunkene, stößt Worte aus, die Peter noch nie gehört hat, aber die er sich flinker merkt als die Verslein in seinen Bilderbüchern, die Fräulein ihm manchmal vorsagt. Fritz ist ein sehr schneidiger Schutzmann, die Mädels kreischen, und Peter kreischt mit. Er findet das Spiel so köstlich wie noch keins zuvor, und er vergißt darüber den Garten, die entlaufenen Kaninchen, alles; er ist draußen in der weiten, unbekannten Welt, und er genießt sein erstes Abenteuer mit vollen Zügen. —

In Peters Elternhaus ist die Sorge wach geworden.