Fräulein hat des Kleinen Verschwinden zuerst entdeckt. Sie meint, er habe sich versteckt, und sie sucht ihn, erst lässig mal seinen Namen rufend, dann besorgter, aufgeregter; sie läuft mit ihrer Angst zu den anderen Hausbewohnern und zuletzt sind alle auf der Suche nach dem Ausreißer. Sie rennen auf die Straße, fragen da und dort, niemand hat Peter gesehen, und die Mutter weint verzweifelt; sie sieht ihr Kind bereits überfahren, verschleppt, sie ruft nach ihrem Mann, nach der Polizei. Der Fernsprecher klingelt, und als die Aufregung auf das höchste gestiegen ist, erscheint Fräulein mit dem heulenden widerborstigen Peter. Er sieht schmutzig und erhitzt aus, daß er seine Weltreise so schnell aufgeben mußte, bereitet ihm offenbar wenig Vergnügen.
Mit Straßenkindern hat er gespielt. Unglaublich!
Die Mutter ist entsetzt, Fräulein ist entsetzt, und die Mädchen stellen sich an, als wäre ein goldenes Krönlein in einen tiefen Brunnen gefallen.
Der Vater lacht. Doch er ist ein Mann der Tat und vergißt nicht, sein väterliches Wort einzulösen. Diesmal hilft kein Bitten der Mutter, nicht Fräuleins Tränenströme. Vater und Sohn reden eindringlich und recht unangenehm miteinander, und zuletzt sagt der Vater stolz auf seine Erziehungskunst: „So, das Ausreißen habe ich ihm gründlich ausgetrieben.“
Nach drei Tagen ist Peter wieder verschwunden.
Diesmal ist es kein unbewußtes Hineintappen in die weite Welt mehr, heimlich und bedacht ist er entschlüpft; denn die Straße mit Mine und ihren Spielgenossen erscheint ihm lockender als der große, stille Garten; in ihm brennt die Sehnsucht, einer unter anderen zu sein. Fräulein hat die Flucht entdeckt, und sie holt ihn diesmal zurück, ohne erst das Haus zusammenzuschreien, nur der Mutter wird der neue Streich verraten, und die beiden Frauen reden eindringlich auf Peter ein; seine Sünde wird ihm wortreich vorgehalten, und als die Mutter meint, es sei genug, redet Fräulein noch weiter.
Peter schielt sie bockig an, und auf einmal sagt der wohlerzogene kleine Junge, der nach seiner Eltern Willen aufwachsen soll, behütet von allem Häßlichen, Unreinen der Welt, trotzig zu Fräulein: „Du Luder!“
So sagt Mine, und Mine ist für ihn Lust, Spiel, Lachen; sie ist ihm das bunte, wechselreiche Leben, und was Mine sagt, ist fein, hat Geltung für ihn.
Am nächsten Tag versucht Peter es wieder, auszureißen. Die Sehnsucht nach dem Draußen, nach den andern verläßt ihn nicht mehr.