Aber seine Frau kam nicht. Und in den Augen der Dienstleute las er sorgenvolles Teilnehmen.
Da fragte er nicht, er suchte und fand Sophia Christine im Prunkgemach des Hauses. Vor ihr auf dem Tisch standen zwei silberne Becher, lag bescheidener Schmuck und ein paar Gevattergulden. Alles in allem kein Reichtum, ein dürftiges Silberschätzlein, und die Stirne der jungen Frau war sorgenvoll gekraust. Doch brach die helle Freude hervor, als sie den Heimgekehrten erblickte. »Ist meine liebe Hausfrau eine Schatzsucherin geworden?« fragte der Gutsherr heiter, »was soll die Aufhäufung unseres Silberschatzes?«
Es waren keine Kinderaugen mehr, Sorgenaugen waren es, die den Mann anschauten. »Wir müssen das verkaufen,« flüsterte Sophia Christine. Sie legte flink noch einen goldenen Ring dazu, den sie von ihrer Mutter hatte. »Wir reichen nicht mit dem Brotgetreide bis zur Ernte und –« Es war eigentlich viel, was im Hause fehlte. Zu viel für das armselige Schätzlein. Doch diesmal wußte der Herr de Charreard besseren Rat. Er hatte des Herzogs Erlaubnis erhalten, auf das Gut zweihundert Taler aufzunehmen. Freilich das Geld mußte verzinst werden, immerhin, der Rabenvater hatte gesagt, es würde ein gutes Jahr werden, alle Zeichen dafür wären vorhanden. Da kamen die Eheleute wohl aus der Not heraus. Der Geheime Rat Ries hatte versprochen, sich nach einem umzutun, der wohl das Geld geben würde. Er hatte gemeint, der Amtsschosse der Leuchtenburg, die bei dem Städtchen Kahla lag, Herr Heinrich Rudolph, würde es leihen können und es auch gerne tun.
Das war freilich Trost. Und frohgemut packte Frau Sophia Christine ihr Silberschätzlein wieder zusammen, und als ihr Mann wehmütig sagte: »Arme Frau,« da rief sie: »Reich, nenn mich doch reich.«
[4. Kapitel.]
Es wurde ein rechtes Frühlingsbüblein, das seinen Einzug in einer Mainacht auf Pösen hielt.
»Mein Sohn,« sagte Herr de Charreard stolz. »Ein Charreard!«
»Mein Kind,« sagte die junge Mutter, denn ihr war es gleich, ob Bube oder Mädel da neben ihr lag als schönstes Gottgeschenk.