Ach, die kleine Louison ahnte gar nicht, welch treues Herz sie gewonnen hatte. Ans Weggehen dachte der Nikolaus auch gar nicht. Ans Daheimbleiben und Heiraten viel mehr. Doch ehe er, der ein hübsches Geldchen mitgebracht hatte, zu einem Weib und einem Hof gelangte, wendete sich das Schicksal der kleinen Louison, es riß sie heraus aus dem heiteren Leben im stillen Tal, trennte sie von der Heimat.
Schöne Sommerwochen vergingen.
Im Tälchen hatten sie noch immer vom Nikolaus und seinen Fahrten zu reden, als eines Morgens in der Frühe, als noch ein zarter Dunstschleier über Wiesen und Wald hing, ein Bote von Jena in das Tal einritt. Er meldete den Besuch der Herzogin Marie an, die mit der kleinen Prinzessin Elisabeth Marie kommen wollte.
Beim ersten Blick auf das liebenswürdig gnädige Handschreiben wußte es Sophia Christine: das bringt mir Unheil. Ihr Herz tat einen so schweren Schlag wie noch nie, seit dem Tode des kleinen Gaston. Sie preßte die Hände zusammen, als ihr Mann ein wenig aufgeregt von der Bewirtung sprach.
Diesmal war die Speisekammer nicht leer auf Pösen, Frau Sophia Christine war wirklich ein Bienchen geworden, das eintrug für Wintersnot, so viel es nur gab. Nur ein paar Helferinnen fehlten, dazu mußten die Kinder flink nach Bucha laufen und einen weiblichen Küchenrat aufbieten. Das Verhältnis mit den dortigen Bauern war durch der Frau von Charreard immergleiche Freundlichkeit ein sehr gutes, Dorf und Gut nahmen Anteil eins an des andern Ergehen. Es kamen auch flink ein paar Helferinnen, und da es seit zwei Jahren eine junge Pfarrersfrau gab, kam die auch zur Hilfe mit.
Herr Anthoine sah zufrieden, wie im Hause alles rüstig und lebendig an der Arbeit war, er sah das ohnehin blitzsaubere Saalzimmer noch blitzsauberer werden, und er sah mit Bewunderung seine zierliche Hausfrau als häuslichen Generalfeldmarschall alles anordnen. Wirklich, er war ein reicher und glücklicher Mann! Reichtum und Glück, beides waren für ihn Weib und Kinder, und es trieb ihn, dies Sophia Christine zu sagen, aber gerade als er es tun wollte, kamen ein paar Mägde angelaufen mit einer dringlichen Küchenfrage, da ließ er das gute Wort ungesprochen. Es sollte ihn noch bitter reuen.
Die Herzogin kam, die kleine Prinzessin Elisabeth Marie mit ihr, ein paar Hofdamen, zwei Kammerherren begleiteten sie. Und die Herzogin war von besonderer Freundlichkeit, sie ließ sich die Kinder vorstellen, und die kleine Louison, die braunes, lockiges Haar und die großen strahlenden Augen der Mutter hatte, schien ihr ganz besonders zu gefallen. Sie tat die freundliche Frage: »Möchtest du an den Hof kommen, schöne Kleider tragen und mit meinem kleinen Fräulein spielen?«
Ach, höfisches Wesen hatte Frau Sophia Christine ihren Kindern nicht beigebracht. Louison hob das Näslein keck, sah die kleine blasse, seltsam verträumt ausschauende Prinzessin an und antwortete zum grenzenlosen Entsetzen ihres Vaters und zur ganz heimlich lachenden Freude der Mutter: »Nein, das möchte ich nicht. Ich will den Adrian heiraten und auf der Leuchtenburg wohnen. Vielleicht auch den Niklas Rabe, wenn er keine Frau findet. Oder alle beide.«