»Ei, ma petite sieht sich früh nach einer Mariage um. Und gleich zwei Freier. Wer ist denn Adrian und wer Niklas?«

»Kindergeschwätz,« sagte Herr de Charreard ärgerlich.

Doch die Herzogin, die ihres einstigen Freundes Verlegensein wohl bemerkte, hielt Louison fest und fragte nach den beiden Freiern. Und Louison gab Antwort, unbekümmert um des Vaters gefurchte Stirn, unbekümmert um das verhaltene Kichern der Hofdamen. Von Adrian Rudolf sagte sie nur den Namen, ihren neuesten Freund Nikolaus Rabe aber beschrieb sie sehr lebendig, beschrieb ihn mit zärtlicher Bewunderung.

»Fi donc, einen Landsknecht!«

»Kindergeschwätz!« rief der Vater nochmals unwirsch, aber da sagte plötzlich in das allgemein verhaltene Lachen hinein die Prinzessin ganz ernsthaft: »Ach, der Niklas muß schön sein, den möchte ich auch heiraten.«

Nun lachten alle. Selbst die Herzogin lachte mit. Sie strich leicht über ihres Kindes Wange und sagte kühl: »Du heiratest einen großen Prinzen.«

Doch die kleine Elisabeth Marie, der es ganz besonders gut auf Pösen gefiel, rief: »Ach nein, ich möchte dann lieber den Anthoine, der gefällt mir.« Und sie streckte dem dunkellockigen Buben das Händchen hin, da war auch für ein Leben eine Freundschaft geschlossen.

Die Herzogin brach das Gespräch ab. An dem stillen Jeannettchen sah sie vorbei. Und dann war sie liebenswürdig und herablassend, und Frau Sophia Christine wußte doch, sie will unser Glück stören. Zeitig am Nachmittag brachen die Gäste wieder auf, und schon im Wagen sitzend, sagte die Herzogin: »Louison kann mein kleines Fräulein begleiten. Monsieur de Charreard wird uns doch auch den Weg weisen.«

Sophia Christine erblaßte tief. Ihr Herz krampfte sich zusammen, als sie das Kind selbst in den Wagen hob. »Sie wird mir genommen,« schrie es in ihr, und sie strich mit der Hand segnend über das liebliche Gesicht. »Gott schütze dich!«

Louison hörte nicht der Mutter Herz weinen. Die Fahrt in dem schönen Wagen neben dem blassen Prinzeßchen kam ihr sehr vergnüglich vor. Sie breitete ordentlich wie eine kleine Dame ihr Kleid aus, als wäre das Leinenkleid von Brokat, und ihr strahlendes Gesichtchen war das letzte, was die Mutter für lange Zeit von ihrem Kinde sah.