»Der Herr Vater, der Herr Vater!« Die jungen Stimmen gellten so heftig auf, daß weniger schlafsüchtige Gäule entschieden scheu geworden wären. Die abgestanden müden Tiere aus dem herzoglichen Stall entschieden sich für das Stehenbleiben. Mit einem Ruck hielt der Wagen, und am offenen Fenster tauchten zwei heiße sonnenbraune Gesichter auf. Bub und Mädel, Bauernkinder – oder?

Herr Anthoine de Charreard sah ziemlich verdutzt seine Kinder an. Jeannettchen, die feine kleine Blonde, schulterte jetzt einen Rechen über die Schulter, in Anthoines Haar hing Heu, wie vornehm erzogene Herrschaftskinder sahen alle beide nicht aus.

»Mon Dieu, was tut ihr?«

»Wir fahren Heu ein, Herr Vater,« schrie Anthoine, als wäre sein Vater in den beiden Jahren stocktaub geworden. Gleich aber überkam eine heftige Verlegenheit den Buben vor dem feinen, blassen Herrn, war es wirklich sein Vater?

»Er ist's gar nicht, Anton!« Jeannettchen zerrte den Buben am Jackenzipfel. Und schon rannte sie davon. Auch der Bruder dachte an ein Davonlaufen, aber da streckte sich eine weiße, ringgeschmückte Hand aus dem Wagen, und es war doch des Vaters Stimme, die sagte: »Anthoine, ich bin es wirklich – wie geht es der Mama?«

»Die Frau Mutter wäscht,« platzte Anthoine heraus.

»Wä–äscht,« Madame de Charreard stand am Waschzuber!

Der Bube sah treuherzig und altklug zu seinem Vater auf. »Röse ist doch krank, die Frau Mutter hat's schon schwer.«

»Jeannette, wo ist Jeannette?«

Ja, wo war die Kleine? Die war, von einer unbestimmten Angst getrieben, abwärts gelaufen, sie rannte über den Hof in die seitwärts liegende Waschküche und schrie in Qualm und Brodem hinein: »Es kommt einer und Anton sagt, es wäre der Herr Vater.«