Frau Sophia Christine goß die Seifenlauge in das Spülwasser, kümmerte sich nicht um das angerichtete Unheil, sondern ging todblaß mit wankenden Schritten dem Hause zu.

Unter den blühenden Linden wird sie stehen, dachte der Mann. Aber seine Frau stand still und aufrecht an der Haustüre, es sah gar nicht aus, als freue sie sich so besonders der Heimkehr ihres Mannes. Daß sie nur keinen Schritt weiter tun konnte, daß die Bäume, die Landstraße, alles vor ihren Augen wogte und schwankte, ahnte Herr de Charreard nicht. Er hatte eine andere Freude erwartet. –

Es wurde kein rechter Freudentag.

Der Gutsherr war reisemüde und mißmutig. Wohin er sah, sah er Arbeit. Er sah alle Hände sich regen, sah seine Kinder schaffen wie Bauernkinder, wußte, seine Frau hatte am Waschfaß gestanden, und er kam wirklich aus dem Faulenzerland. Zwei Jahre hatte er nichts getan, wie einmal ein paar Briefe für seine Herzogin geschrieben, sonst Besuche gemacht, Besuche empfangen, er war zu Bällen und Komödien gefahren, seine Unterhaltung war leichtes Geplänkel, lockeres Scherzen gewesen, und als er am Tisch seines Hauses saß, faltete die Hausfrau fromm die Hände und sagte: »Sprich das Gebet, Anton!«

Sie dankten alle in ernster Andacht für das tägliche Brot, er hatte zwei Jahre lang sinnlose Verschwendung, unerhörten Luxus gesehen. Und dann das Fragen, dies bange Fragen der Mutter nach ihrem Kind. »Wie ist Louison?«

»Beinahe eine kleine Dame. Adorable, ich muß es sagen!«

»Betet sie auch noch immer abends? Hat sie uns nicht vergessen?«

Herr de Charreard hing sich an die zweite Frage. Nein, vergessen hatte Louison Mutter und Geschwister nicht, in vier Wochen würde sie kommen.

»Für immer?«

»Nicht doch, ma chère. Sie ist die Gespielin der Prinzessin und bleibt natürlich am Hofe.«