»Meine Kinder haben keine deutschen Namen,« rief er ärgerlich, und als der Magister eine etwas umständliche Erklärung gegen den Gebrauch fremder Wörter und Namen beginnen wollte, unterbrach ihn Herr de Charreard kurz. Sehr hochmütig redete er zu dem alten Mann: Darin würden sie sich nie verstehen, übrigens könne der Herr Magister ja nun wieder nach Jena ziehen; seine Arbeit, für die er ihm danke, sei zu Ende. Er würde nun selbst wieder die Erziehung leiten.
Der alte, gute Freund entlassen!
Das war das Ende des so sehnsüchtig erwarteten Heimkehrtages.
[8. Kapitel.]
Die alte Rabenmutter hatte einmal der jungen Frau treuherzig den Rat gegeben, über keinen Streit die Nacht dahingehen zu lassen. Und Sophia Christine handelte nach dem Wort. Die Luft war schwül, die Wolken hingen blauschwarz über dem Tale, und in schier endloser Ferne klaffte wieder und wieder ein heller Spalt, in allen Farben glänzte da eine traumhafte Weite auf, mal zog auch ein dumpfes Rollen wie ein Mahnen über das Tal. Die Linden dufteten betäubend, und unter die große Linde führte Sophia Christine ihren Gemahl; wenn auch nicht das, was sie trennte, ganz überbrückt wurde, es war doch von Seele zu Seele wie ein Erhellen, ein Erkennen der Kluft, die zwischen ihnen lag.
Anthoine de Charreard erzählte mehr von den Mühsalen seiner Reise und den Bitterkeiten seiner Stellung, und die Frau erkannte, daß ihres Mannes Heftigkeit, sein verdrossenes Wesen wie eine Krankheit war, die sie linde hinwegpflegen mußte.
Von dem Magister Albertinus sprachen sie beide nicht, sie dachten beide, morgen. Der gute, alte Mann aber stand in seiner Stube, packte seine Bücher in eine Kiste, und während ihm dicke Tränen über das Gesicht liefen, dachte er, morgen bist du wieder heimatlos, Johannes Emanuel Albertinus.
Ein Geräusch an der Tür ließ ihn aufschauen. Anthoine stand da und sah ihn flehend an. »Ihr geht nicht weg, Herr Magister?« fragte seine Stimme.