»Seine Heimat ist Frankreich!«

Herrn de Charreards Stimme klang gereizt, aber die Falte schärfte sich, als er sah, daß sein Bube ein wenig trotzig den Kopf schüttelte. »Parbleu, was soll das?«

In Anthoines Gesicht schoß eine tiefe Glut. Er hatte doch wirklich den Vater nicht kränken wollen, aber als der noch einmal sagte: »Deine Heimat ist Frankreich,« schwieg er mit zusammengekniffenen Lippen.

»Dankt und geht hinaus!« Sophia Christine sah erschrocken, wie tief die Kluft zwischen dem Heimgekehrten und ihrem Leben war.

Die Kinder standen auf, falteten die Hände, beteten still und dann kamen sie beide, küßten ihr die Hände und sagten: »Vielen Dank, Frau Mutter!«

»Ihr müßt eurem Herrn Vater danken.«

Die ehrlichen offenen Kinderaugen blickten maßlos verwundert drein. Der Magister hatte sie gelehrt, daß der Mutter rastlose Arbeit ihnen das tägliche Brot verschaffe, und sie nächst Gott ihr zu danken hätten. In seinem harmlosen Sinn war es dem Magister nie eingefallen, daß seine Erziehung die Kinder dem fernen Vater entfremde, nun erschrak auch er und er sagte streng: »Sobald der Herr Vater da ist, ist ihm – und der Frau Mutter zu danken.«

Anthoine de Charreard fühlte da auf einmal die weichen Kinderlippen auf seiner Hand, er sah in die offenen unschuldigen Gesichter, und ganz jäh legte er seinen Arm um beide: »Mes enfants!«

Hätte er gesagt: »meine Kinder,« es wäre wohl ein warmes Hinüberfließen von Herz zu Herzen geworden; das fremde Wort klang fremd an die Ohren der beiden. Ihr Anschmiegen an den Vater schien Pflicht; Wärme und Freude fehlten, und Sophia Christine empfand wieder mit heißem Schrecken die Fremdheit des Heimgekehrten.

Sie suchte mit sanften Worten, heiteren Fragen leichte Brücken von Kluft zu Kluft zu schlagen. Sie entfaltete alle Anmut ihres Wesens und Herr de Charreard empfand dies dankbar, aber seine Verstimmung wich nicht. Und als er sah, wieviel auf der Frau gelastet hatte, als er den schlichten Bericht von ihrem Tun hörte, wuchs sein Unbehagen. Weil er der Frau nicht grollen konnte und doch jemand haben mußte, auf den er seine Bitterkeit laden konnte, wurde er heftig gegen den guten, alten Magister, als der harmlos am Abendtisch die Kinder Anton und Johanna nannte.