Aus dem Dunkel heraus kam eine angstdurchbebte Stimme. »Ich bin's, Niklas, der Anton!«

»Na, nun sollen doch gleich zehn Stückrohre drein knattern,« rief der Bauer verdutzt. »Bub, du – ach so – wollte sagen, Junker, Ihr, wo steckt Ihr denn?«

»Hier!« Anthoine de Charreard trat vor, und da es gerade am Himmel wieder hellte, sah ihn der Bauer. Jetzt war die Angst weggeweht aus der Stimme, als der Bube redete. »Junker, brauchst du noch nicht zu sagen, wenn wir allein sind. Ich wollte dich besuchen.«

»Bei des Tilly Gerippe, das ist eine merkwürdige Zeit dazu!«

»Mann, mußt nicht so lästerlich fluchen,« rief von oben herab die junge Frauenstimme. »Führ den Junker in die Stube, er wird etwas auf dem Herzen haben.«

Das hatte Anthoine nun wirklich. Und kaum hatte innen der Bauer den Zunder angeschlagen und ein winziges Öllämpchen angebrannt, da strudelte schon alles aus dem Buben heraus, was ihm auf dem Herzen lag. Der gute Magister wollte morgen das Haus verlassen und wußte nicht wohin. Und da war Anthoine der Gedanke gekommen, der Magister könne auf dem Rabenhof wohnen. »Du gibst ihm oben die Eckstube,« riet er treuherzig, »und wenn du mal Kinder hast, erzieht er die.«

Niklas nickte beifällig. Um das Kindererziehen brauchte er sich ja noch nicht zu kümmern, denn auf dem Rabenhof gab es zurzeit noch keine. Doch den guten, alten Magister hatte er gern, den nahm er schon mit Freuden in sein Haus. In seinem wechselvollen Leben war so viel an dem Manne vorübergezogen, über das er gern ein ernstes Wort redete, und dazu war ihm der alte Magister gerade recht. »Du bist schon ein Schlauer,« lobte er den Buben. »Das muß man sagen, du fängst die Dinge am rechten Ende an.«

»Und jetzt muß ich zurück!« Ein kleiner Herzseufzer preßte die Stimme zusammen und der Niklas wollte just sagen: »ich bringe dich heim,« als ein greller Blitz die Stube erhellte und gleich darauf der Donner knatterte. »So, jetzt hätten wir ja alleweil das Wetter auf dem Halse, nune bleibste mir da.«

»Aber –«

»Kruzitürken, will Er parieren!« Der Niklas schrie wie in seiner Feldwaibelzeit, aber seine Augen lachten und Anthoine sprang an ihm hoch. Das Wetter draußen ängstigte ihn nicht, und daß er auf dem Rabenhof schlafen sollte, kam ihm vergnüglich vor. Niemand würde in seine Kammer kommen, und morgen lief er in aller Frühe heim. Nur daß er dem guten Magister nicht gleich sagen konnte, er könne auf dem Rabenhof wohnen, tat ihm leid, doch der Niklas beruhigte ihn darüber. »So eener wie der Herr Magister ist, der bringt seine Nacht nicht in Grämen zu. Der sitzt jetzt und liest ein gutes, frommes Buch. Um den sorge du nit. Und nun komm, du schläfst hier auf der Bank.«