Ein Schlaflied brauchte der Bauer seinem jungen Gast nicht zu singen, es wäre freilich etwas mißtönig herausgekommen. Doch Anthoines Schlaf sollte nur kurz sein. Das Wetter zog über das Tal. Die Stube flammte im Widerschein der Blitze, der Donner dröhnte und der Niklas sagte: »Schlimmer war's Anno dazumal in Flandern nit, und da lagen uns noch die Malefizkerle, die Franzosen vor der Nase.« Und dann ging der Bauer in das Unwetter hinaus, denn er bedachte der Gutsfrau Angst und das Wetter schreckte ihn nicht.
Nikolaus Rabe kam zur rechten Zeit auf dem Gute an. Dort hatte Sophia Christine just gesehen, ihr Bube war verschwunden, und das huschende Gespenstlein war ihr eingefallen, das sie erblickt hatte. Ihr Anthoine draußen um diese Zeit, in dem Unwetter!
Herr de Charreard runzelte die Stirn, er wollte zornig sein und war doch sorgenvoll. »Warum hat der Bube einen Hofmeister, wenn der nicht auf ihn acht gibt.«
»Dem hast du heute den Abschied gegeben,« murmelte die Frau mit blassen Lippen. Und just in dem Augenblick erschütterte ein gewaltiger Donnerschlag das Haus, es hatte einen Baum auf dem Hühnerberg getroffen.
Und ihr Sohn verschwunden, wohin war er gelaufen?
Da ging die Haustür und vor der blassen Frau stand der getreue Freund. »Ich wollt nur melden, der Junker ist bei mir!«
»Bei Ihm, wie kommt er dahin?« Herr de Charreard erkannte den Bauern nicht gleich. Der trug nicht mehr seine heiterbunte, zottelige Landsknechtstracht. Im braunen Wams sah er fremd aus, und dem Gutsherrn kam seine Art zudringlich vor. Er wollte noch einmal heftig fragen, als er an den eigentümlich hellen Augen den Rabensohn erkannte. Da wußte er, wer vor ihm stand. »Er hat mich halt was fragen wollen, was so einem Junkerlein eben einfällt.«
»Was wollte er?«
Niklas rieb sich an seiner Nase. »Hm, ja, er meinte, der Magister Albertinus könnte nun mal 'n bißchen bei uns wohnen. Ja, ja, mir schon recht, so einen Gast im Haus zu haben.«
Herr de Charreard drehte sich um und ging aus dem Zimmer. Er wollte seinem Sohn zürnen und dachte doch im Herzen, er ist treu wie seine Mutter. Aber der alte Magister sollte nicht aus dem Hause, so nicht. Ich kann ja gehen, dachte er bitter, ich scheine überflüssig im Hause zu sein. Er war die Treppe hinaufgegangen und ging sie wieder hinab, und er kam gerade unten an, als der Bauer sich von der Hausfrau verabschiedete. Treuherzig streckte Nikolaus Rabe ihm die Hand hin. »Ist schon gut, daß Euer Gnaden wieder heimgekommen sind. Die gnädige Frau haben auch schmerzlich aufs Heimkommen gewartet. Meine Frau Mutter selig hat noch an ihrem letzten Tag gesagt: Wenn nur unser lieber Herr bald heimkäme.«