Herr de Charreard drehte sich plötzlich um, ließ die beiden stehen, wo sie standen, er ging in das Zimmer seiner Frau hinauf, er fühlte es erst recht, wie sehr diese gelitten hatte.

Sophia Christine lag in ihrem Bett. Sie war zu müde um aufzustehen, Tränen rannen über ihr Gesicht, und als der Mann zu ihr trat, schrak sie zusammen und er merkte, wie sie scheu die Tränen verbergen wollte.

»An was denkst du?«

»An – Louison!« All das still getragene Mutterleid, die Sehnsucht nach dem Kind, das man ihr genommen hatte, tönte wider in diesem Weheschrei.

»Ich hole sie,« versprach Herr Anthoine, und wie er sich über seine Frau neigte, strahlte ihm die alte unverminderte Liebe entgegen. An der hatte die Zeit nichts geändert, Sophia Christines Liebe trug Ewigkeit in sich.

Am Mittag ritt der Gutsherr nach Jena, er wollte sein Kind holen. Doch seinem Willen stand der der Herzogin entgegen, und Herzog Bernhard gab seiner Gemahlin nach. Die kleine Prinzessin weinte, und Louison de Charreard mußte am Hof bleiben. Nur ein Besuch wurde versprochen, sobald die Hausfrau auf Pösen gesund sei. Und dieses Wort half Frau Sophia Christine besser als alle Tränklein des guten Magisters. Sie mußte gesund werden, denn sie wollte es, weil sie ihr Kind wiedersehen wollte. Irgendwo verborgen im Herzen lebte die Hoffnung, Louison würde sehr um das Daheimbleiben flehen und dadurch der Herzogin Herz rühren.

Und Louison de Charreard kam heim. –

Die Herzogin selbst begleitete sie, und Pösen erstrahlte in einem so festlichen Glanze wie zur Taufe des kleinen Anthoine. Auch hatte Louison Wetterglück. Es standen nicht dunkle Wolken am Horizont wie am Heimkehrtag des Vaters, die Sonne gab dem Tale Glanz und Farbe, heiterschön lag es da. Und das Strahlen der freundlichen Himmelsmutter fand Widerschein in den Augen der Charreards. »Louison kommt.« Anthoine und Jeannettchen sangen es in den Morgen hinaus, sie sangen es vor dem Rabenhaus und der Magister rief es geduldig mit. Jeannettchen behauptete sogar, die Hühner gackerten es. »Louison kommt!«

Und dann kam sie!

Zwei Wagen, vier Reiter lenkten in den Hohlweg ein. Im Gutshaus hörten sie das Rollen, und Sophia Christine preßte ihre Kinder beide an ihr Herz, als wolle dies dem Kinde, das heimkam, entgegenfliegen und sie müsse es festhalten. Und ein festes Herz brauchte die Frau an diesem lichten Tag, der einen ganz dunklen Schatten über ihr Leben warf.