Jeannettchen sah bekümmert drein. Sie riet. »Wir schicken dem Bruder den Brief.«
»Wohin, wo ist er?«
Ja, wo war Anthoine? Noch in Paris? Niemand wußte es, aber Nikolaus meinte: »Ich schätze, er wird noch dort sein.«
Da nahm Jeannettchen den Brief vorläufig an sich und versprach ihn bei guter Gelegenheit an den Bruder zu senden. Freilich war dies der kleinen Prinzessin nur halb recht, die hatte gemeint, Nikolaus Rabe würde schnurstracks in die weite Welt reiten und den Brief ihrem guten Kameraden Anthoine geben. Wo er den zu finden hatte, wäre dann des Nikolaus Sache gewesen, da das Prinzeßchen nur ein paarmal nach Porstendorf, dem Gute ihrer Mutter, und einmal nach Weimar gereist war, meinte es, das Reisen in der weiten Welt herum sei nicht so schwer.
Der Bauer sah wohl den Kummer, und der bedrückte ihn schwer, auch lag ihm der nahe Türkenkrieg auf dem Herzen. Er ging mit gesenktem Kopf heim und war dann wortkarg, ließ den Magister und seine Frau reden und sagte nur plötzlich aus tiefem Nachsinnen heraus: »Parbleu, gegen die Türken ziehen, das – wär' schon was.«
»Niklas,« schrie die Frau erschrocken, »du denkst doch wieder an en Krieg.«
»Armes Weib,« knurrte der Mann, und dann schwieg er sich an diesem Abend aus. –
Die kleine Prinzessin Elisabeth Marie weinte heiße Tränen beim Abschied von Pösen, und Frau Sophia Christine hielt das Kind der Frau, die ihr so viel Herzeleid zugefügt hatte, in ihren Armen, als wäre es ihr eigenes Kind. Ein tiefes Erbarmen war in ihr mit dem Waislein, und sie antwortete innig: »Gott gebe es,« als die Prinzessin von einem Wiedersehen sprach. –
Eine Weile nach dem Besuch war es still im Tal, doch dann tönte Hochzeitsjubel auf. Und alle nahmen daran teil, die Dorfleute, die Rabes; der Magister Albertinus versuchte sogar ein sinniges Hochzeitslied zu dichten, aber mit dem Reimen wollte es ihm nicht recht gelingen. Doch ein Hochzeitsgedicht gehörte zur Hochzeit, und da alle von dem guten Magister eines erwarteten, saß er stöhnend und schwitzend am grünen Kachelofen der Wohnstube mit den Leuten vom Rabenhofe und dichtete. Es wollte nicht gehen. Dreimal sagte er: »O holde Jungfer Braut –« dann war seine Kunst zu Ende. »Was reimt sich in aller Welt nur auf Braut?« rief er.
»Sauerkraut,« brummte Nikolaus, der immer stiller wurde in dieser Zeit.