»Er ist 'n Schafskopf,« sagte der Magister unwirsch. »Meine Verse sind keine Säue. Er muß sich besser halten in seiner Rede. Paßt auf, jetzt kommt's:

»Einem Engel aus dem Himmelreiche
Gleichst du mit deinen Purpurwangen,
Die wie die schönen roten Rosen prangen,
Und deiner Augen Himmelsblau –«

»Dunderwetter, das hab' ich noch nit gewußt, daß unser Jungfer Jeannettchen blaue Augen hat; braun sind sie, braun.«

»Meinetwegen braun, obgleich das bei der edlen Dichtkunst gleich ist, wie die Augen in Wirklichkeit aussehen. Also:

»Und deinen Augen, wie Nüsse sind sie so braun,
Schenket heute ein edler Junker sein allertiefstes Herzenvertraun.«

»Ich mein halt doch, das wär' wieder eine Sau gewesen,« brummelte der Bauer vor sich hin, aber der Magister war jetzt in das Dichten gut hineingekommen, er reimte, als ob er über einen steilrölligen Berg lief. Hoppla hopp, da war ein Reim! Da gab es eine Zeile, die kurz war wie der kürzeste Tag im Jahr, und eine, die zwei Meilen mehr hatte. Den Magister kümmerte es nicht, und die Hochzeitsgäste nahmen keinen Anstoß daran. Sie waren alle mit dem Hochzeitsgedicht zufrieden. Jeannettchen hörte vor lauter Rührung nichts, der Herr von Dracksdorf dachte nur: »Besser hätt' ich's nicht gekonnt,« und Frau Sophia Christine und ihr Mann dachten, trotz des feinen Schneeschleiers, der schon über dem Tale ruhte, doch an den Tag ihres Einzugs, an sommerliche Schöne und blühende Linden. Und als der gute Magister vortrug:

»Es weilen die teuersten Geschwister ferne
Und verlebten doch mit uns den Freudentag sehr gerne,«

da rollten Tränen über das Gesicht der Mutter. Die Hände der Gatten fanden sich, und ihre Gedanken flogen auf sanften Schwingen zu den beiden hin.

Nach Paris.

Für Sophia Christine war es eine unheimliche fremde Stadt, Herr de Charreard dachte an Glanz und Sonne, dachte an den Hof des prächtigsten Königs. Dort war sein Sohn, ein Charreard war wieder in Paris. Er erhoffte Großes von dem Dortsein, erhoffte neuen Glanz für das Geschlecht der Charreards.