Aber Anthoine war, während seine Schwester Jeannette seinem Freunde angetraut wurde, gar nicht mehr in Paris. Wenige Tage vorher hatte er verbittert, angewidert von dem Höflingstreiben, von der blassen, schönen Louison Abschied genommen. Er wollte nach Wien zu Adrian Rudolph, er wollte wirklich dort warten, bis die Türken den Krieg begannen.

Man raunte viel davon. Louison selbst hatte es dem Bruder gesagt, hatte von dem gesprochen, was der Oberst de St. Laurent in einer Stunde der Trunkenheit ihr verraten. König Ludwig suchte die Türken zum Kriege gegen das Reich zu hetzen. Er spielte ein bitterböses Spiel. Dies eine Wort hatte Anthoine herausgerissen aus dem Taumel, in dem er gelebt. Freunde seines Hauses hatten sich seiner angenommen. Fest hatte sich an Fest gereiht, der junge Mann hatte darüber das stille Heimattal, die Eltern, alles vergessen – bis Louison ihn geweckt hatte. Du mußt fort! Ihr Erinnern war harte Mahnung gewesen.

Zu was war er denn ausgezogen aus seiner Heimat?

Die Welt wollte er sehen, gegen Frankreich, für den Kurfürsten von Brandenburg kämpfen, und dann hatte er kaum etwas von Krieg erlebt, hatte vergessen, daß er Mannestaten hatte tun wollen, er hatte sich von seinem Obersten getrennt, seinen Abschied verlangt und das Anerbieten seines Schwagers, nach Frankreich zu kommen, angenommen.

Und nun schickte Louison selbst ihn weg. Anthoine grübelte, während er nach Freiburg reiste, darüber nach, warum Louison so seltsam verändert gewesen war, seit Wochen schon.

Von dem tiefen Leid, in dem seine schöne Schwester lebte, wußte er nichts. Er ahnte nicht, daß sein Schwager ein feiler Unterhändler und Spion war, einer, der gegen das Reich hetzte.

Louison de St. Laurent hatte ihrem Bruder eine Herberge in Freiburg angeraten, dort sollte er eine Botschaft von ihr erwarten. In dem düstern Hause, das im Münsterschatten lag, ruhte sich Anthoine drei Tage von der Reise aus. Am dritten Tag klopfte es an seine Türe und auf seinen Anruf hin tat die sich auf und ein junger Bursche in dunkler unauffälliger Kleidung trat ein.

»Was will Er?«

Der Bursche schwieg und sah ihn an.

»Was will Er?« schrie der Junker ungeduldig.