Die Bäuerin weinte bitterlich. Und in ihrer Herzensnot lief sie zur Gutsfrau nach Pösen und schüttete vor dieser Leidträgerin ihr Sorgensäcklein aus.
»Es hat ihn wieder gepackt, das Kriegswesen, er kann's niche lassen, Gnaden können drauf passe, der zieht noch gegen die Türken!«
Und Sophia Christine, die so viel Trost gegeben hatte, wußte diesmal nichts zu sagen. Sie ahnte es lange, der Nikolaus blieb nicht im Tal.
Und noch eine Woche voll Qual und Kampf. Ein verzweifeltes Ringen der Frau mit der immer stärker wachsenden Sehnsucht des Mannes; es war vergeblich. Als der Seidelbast blühte und die alte Windfahne auf dem Dach des Gutshauses sich mühte, von den Staren das wohltönige Pfeifen zu lernen, da nahm Nikolaus Rabe eines Morgens Abschied von Weib und Kind, nahm Abschied von dem Friedenstal, und er gab dabei dem guten Magister Albertinus recht, der ihn einen horndummen Esel nannte, aber er konnte nicht anders. Das Weltgeschehen lockte ihn hinaus.
»Sei nicht böse,« bat der Nikolaus sein Weib, »itze zieh ich zum letzten Male aus.«
»Und kommst niche wieder!«
»Wie es unserm Herrgott gefällt. Frau, heule nit, das ist mal so. Als Kind noch haben sie mich hineingetrieben in das wilde Wesen, das sitzt mir nun alleweil im Blute und ich komm nit los davon.«
Die Amseln flöteten, die Hecken prangten in grüner Seide, das Bächlein gluckste und rann, der Frühlingswind spielte sacht und zärtlich mit allem, mit der alten Wetterfahne und den jungen Zweigen, mit lockeren Dachschindeln und dem blonden Haar der Bäuerin. Wie schön war das kleine Tal. Dem Nikolaus brach fast das Herz, als er einsam dahinritt und das Haus, sein Heim, sein Glück, allmählich verschwanden, und doch – er konnte nicht anders. Die Türken im Land, heißa, hussasa, das lockte und zog.
Die Türken raubten und sengten.
Herrgott, schütz' uns!