Sophia Christine wurde eine müde, stille Frau in diesen Wochen und ihr Mann vergaß das stolze Schloß an den Loireufern; er ersehnte nun auch nur noch das einsame Leutratal zur Heimat für seine Kinder.
Es ging den Eheleuten wie den Linden, unter denen sie am Einzugstage gestanden hatten: sie wurzelten fester zusammen, und wie die Lindenkronen ineinander verschlungen waren, so waren es ihre Gefühle und Gedanken. Es konnte einer nicht mehr ohne den andern sein. –
Der Winter schleppte sich träge dahin, und als endlich am Quellrand die ersten Schneeglöckchen ihre weißgrünen Spitzen heraussteckten, lief ein angstvolles Raunen durch das Land. Lauter wurde es, banger.
Der Türke kommt, der Türke zieht nach Wien, helf uns Gott!
Nikolaus Rabe schlief schlecht in diesen Nächten. Er träumte wilde, wirre Dinge, meinte die Trompeten wieder blasen zu hören:
Alarmen, alarmen, die Waffen erwarmen, Weh Reich und Armen, ohn alles Erbarmen!
Seine Frau sah trübe drein. Sie brachte oft den Buben zu ihm. Dann wurde des Mannes Blick scheu, er fürchtete sich vor seiner eigenen Weichheit. Aber dann wieder begann er plötzlich dies und das zu erzählen, und einmal kam der kleine Blondkopf angelaufen, stellte sich wichtig vor seine Mutter hin und sagte keck ein Sprüchlein: »Die Funken werden Flammen und brechen endlich aus, Sie lohen hoch zusammen und reißen Haus zu Haus!«
»Gotte, Junge, woher haste das?«
»Der Vater hat's mir beigebingt!« rief das Büblein stolz, es reckte sich und ging auf den Hof und seine Mutter hörte ihn mit getragener Stimme reden:
»Bet, Kinder, bet!
Morge kommt der Schwed,
Morge kommt der Oxestern,
Der wird Euch das Bete lern.«