Die Rede sank Sophia Christine tief ins Herz. Frommes Bitten quoll in ihr empor: Gott, gib mir auch eine solche Nachrede: »Gut zu Mensch und Vieh.«

Und dann gingen die Eheleute von der Empore hinab in die kleine Kapelle und die Magd ließ sie allein: »Itze müssen die alleine sein mit dem Herrgott,« sagte sie draußen.

Allein mit Gott, sie waren es beide.

Die Kapelle war klein, schmucklos. Ein dürftig ausgestatteter Altar, ein paar welke Kränze an der der Tür gegenüberliegenden Wand, ein paar Bänke zur Seite und an der Decke ein Gottesauge.

Eine Schwalbe flatterte ängstlich hin und her, sie war durch ein kleines, offenstehendes Lukchen an einem der bunten, spitzbogigen Fenster hereingeflattert, huschte ängstlich über Altar und Kanzel hinweg und fand den Ausweg nicht. Da öffnete Sophia Christine die Tür, um die Gefangene hinauszulassen, und ein breiter Strom Sonne floß in die Kapelle. In seinem Glanz knieten Anthoine de Charreard und sein junges Weib vor dem Altar nieder, waren still, und ihre Herzen waren voll Dank.

Hand in Hand traten sie beide aus dem Hause, traten auf den Hof, und da sah Sophia Christine rechts einen losen Zaun, der einen Garten vom Hofe schied, dahinter blühte es rosig, und des Mannes Hand festhaltend, lief sie auf den Zaun zu und rief jauchzend: »Da blühen Rosen, Rosen. Ach wir haben Rosen. Viele Rosen.«


[2. Kapitel.]