»Die Frau kocht Mittag. Schätze, sie wird sich wundern über den Gast, der da ankommt. Aber vorerst bringe ich Euch heim, wir reiten leise vorbei,« sagte der Nikolaus.
In Louison quoll da eine große Angst empor vor dem Wiedersehen, dem Wiederfinden der Eltern. »Wir halten ein paar Schritte vorher und dann läßt du mich gehen, Niklas. Deine Frau darf auch nicht länger warten, und ich kann niemand, niemand vorher sehen.«
Nikolaus nickte. Er spürte Louisons Bangen nach, bangte er doch selbst, freilich, der blaue Rauch war verheißungsvoll, aber trotzdem –.
Er half Louison vom Pferd. Die schritt rasch am Hause vorbei. Drinnen erhob sich lautes Rufen, denn ein Bursch, der der Frau half, hatte die ungewohnte Erscheinung erblickt. Er schrie das ganze Haus zusammen, selbst der Magister kam ein wenig mühsam an einem Stock dahergehumpelt, und als sie alle den bestürzten Burschen fragten, wissen wollten, was er gesehen hatte, stand plötzlich der Nikolaus vor der Tür.
Da war das Verwundern groß, der Bursche aber flüsterte der Magd zu: »Ein Gespenst ist vor dem Bauern hergegangen.«
Nun war dieser junge Hannes aber noch in einem Alter, in dem die Stimme mal hell und tief klingt und ihrem Besitzer wie ein wild gewordener Gaul ausbricht, dies geschah hier, und klatsch hatte der Bursche eine Maulschelle, so ein rechtes kräftiges Mitbringsel aus dem Türkenkriege war's. »Dummer Bube, unsere Frau Louison ist niemalen ein Gespenst.«
»Die – oh du lieber Gott!« Die Frau schlug die Hände zusammen und der Magister sah drein, als hätte der Nikolaus einen Sack voll Fremdwörter ausgepackt.
»Der Herr Oberst de St. Laurent ist im Türkenkriege gefallen, hab's mit meinen eigenen Augen gesehen,« knurrte Nikolaus, »und da verlangt es seiner Frau Witwe, heimzukehren. Na, was ist nun?« Patsch, war aller Klatsch von dem Kriegsmann totgetreten. Der aber nahm jetzt sein Weib in die Arme, sagte: »Freust dich nit? Und ist's ein Mädel oder ein Bube, was inzwischen angekommen ist?«
Es war ein Mädel, und freuen tat sich die Frau so recht, als sie begriff, der Mann wollte dableiben, daß sie laut weinte. Und danach besann sie sich und rief: Es gäbe leider, ach leider nur Klöße.
»Ist gut. Meinst du, die vermaledeiten Türken haben uns viel Zeit zum Klößekochen gelassen? Frau, Frau, nun bleib ich daheim, nun zieh ich nimmer aus. Schockschwerenot, mein Wort darauf!«