Während in dem kleinen Bauernhaus die Freude laut und kräftig ihre Stimme erhob, ging Louison de St. Laurent langsam dem Herrenhause zu. Sie sah es auftauchen im feinen Schneedunst, sah auch ein kleines Rauchwölkchen dem Schornstein entquellen, sah alle Fenster entlang, hörte Hundegebell, und langsamer, immer langsamer wurde ihr Schritt.
Lauter schlugen die beiden Hofhunde an. Da tat sich die Türe auf und ein ganz verhutzeltes, altes Weiblein steckte den Kopf heraus und sah da langsam eine den steilen Berg hinanschreiten – eine fremde Frau! –
Die alte Röse hatte schwache Augen bekommen, aber eine Charreard erkannte sie doch noch, und auf einmal kam ihr die Jugendschnelle in die alten Füße zurück. Sie rannte den Berg hinab und keuchte: »Louison, oh du mein grundgütiger Heiland, es ist unsere Louison!«
Und der Freudenton, den die alte Röse anschlug, der klang durch das ganze Haus. Da hielt Frau Sophia Christine ihr heimgekehrtes Kind umschlungen und Herr Anthoine de Charreard, der längst kein feiner, müder Hofherr mehr war, sondern ein stattlicher, luftgebräunter Landmann, nahm die zierliche Frau und die zarte Tochter gleich beide in seine Arme. Er sah auch das Witwenkleid der Tochter mit der Mutter zugleich und beider Augen fragten: »Der Oberst de St. Laurent ist tot?« Weil Louison nicht die Schwere seiner Schuld wußte, klang ihre Stimme mild, sie dachte versöhnt an den Toten.
Und Anthoine, wo blieb der Sohn?
Louison erzählte, und in Frau Sophia Christines Herzen begann sacht die Freudenglocke zu schwingen.
Ein Kind heimgekehrt aus dem Weltgetriebe. Eins hatte die Heimat wiedergefunden, und des Sohnes Seele suchte sie.
Es war etwas wie im Evangelium des verlorenen Sohnes. Louisons Heimkehr war ein Fest, und als Jeannette nach drei Tagen kam, erregte ihr Besuch nur die stille immer gleiche Freude. Doch Jeannette von Dracksdorf spürte keine Eifersucht, ihre Freude jauchzte laut durch das Haus, und zum erstenmal in seiner Ehe wurde Heinrich Wilhelm ein wenig in den Winkel gestellt. Freilich um dann vorgeholt und ganz glänzend herausgestrichen zu werden vor der Schwester. –