So friedlich wie der Abend war der Morgen, der ihm folgte, nicht. Das gab gleich in aller Herrgottsfrühe ein lautes Rennen, Rufen und Klingeln im Schloß. Sogar in seinem Turm hörte es Kasperle. Der witschte ein paarmal durch den Schrank, lauschte hinaus, flitzte ängstlich wieder zurück, wenn er jemand kommen hörte, aber immer verhallten die Schritte in der Ferne. Endlich, endlich, Kasperle dachte schon, er hätte hundert Jahre nichts gegessen, kam Veit und brachte ihm das Frühstück.

Der gutmütige Bursche sah sehr verdrießlich drein, und als ihn Kasperle ängstlich ansah, brummte er: „Nun kommt sie doch schon wieder!“

„Wer denn?“ fragte Kasperle und sah nach der Türe; er dachte, irgend jemand müßte da anspaziert kommen.

„Die Prinzessin Gundolfine,“ brummte Veit. „Na, du armes Kasperle, da nimm dich nur in acht!“

Kasperle sah nun wirklich drein, als sei ihm nicht allein seine Milchtasse, sondern sein Zubrot, sein Wämslein und sonst etwas in den Brunnen gefallen. Er vergaß sogar das Frühstück.

„Ja, ja,“ knurrte Veit, „da staunste! Zum Vergnügtsein ist’s auch nicht, und ich glaube, der Herzog wünscht seine liebe Base auch ins Pfefferland, heute mittag kommt sie schon. Nun flink, nimm

dein Frühstück und laufe in den Park! Wer weiß, ob du es morgen noch darfst.“

Da schluckte Kasperle selbst für ein Kasperle ungeheuer geschwinde alles hinab, was Veit gebracht hatte, und dann flitzte er die Treppe hinab in den Park hinein. Niemand sah ihn, und als er am Bächlein anlangte, saß wirklich das traurige Marlenchen schon da.

„Die Prinzessin kommt,“ schrie Kasperle.

Marlenchen wurde totenbleich, und ehe sich Kasperle noch auf ein zweites Wort besonnen hatte, rannte sie schon weg. Sie flog mehr, als sie ging, und Kasperle blieb nichts weiter übrig, als hinter ihr her Purzelbäume zu schlagen, um sie einzuholen. Er schrie zwar immer: „Bleib doch, bleib doch!“ aber Marlenchen hörte in ihrer Angst vor der Prinzessin gar nicht darauf.