Kasperle rannte unterdessen, so schnell er konnte, nach Schloß Lindeneck. Er hopste, kugelte, kollerte, purzelbaumte und gelangte schneller hin als einer, der bedächtig auf seinen zwei Beinen geht.

Am Tor von Schloß Lindeneck aber stand einer Wache, der sehr grimmig dreinsah, ein Mann, groß wie ein Baum, dick wie ein Ofen; das war des Schloßherrn allertreuster Diener, Eicke Pimperling. Der schrie drohend, als er das Kasperle kommen sah: „Hier darf niemand rein! Wer bist du überhaupt? Aussehen tust du wie ein Laubfrosch, und hopsen kannst du auch so.“

„Ich bin, wer ich bin, und ich will rein,“ rief Kasperle patzig.

„Nichts da, marsch kehrt, hier darf niemand rein!“

Oho, dachte Kasperle, dem Grobian schlage ich schon noch einen Purzelbaum über den Kopf weg! Und bei dem Gedanken lachte er hell auf.

„Hallo, gelacht wird hier nicht!“ Eicke Pimperling nahm einen großen Stock, es sah bedrohlich aus, aber Kasperle dachte: Es mag kommen, wie es will, ich muß hinein. Und dann eins, zwei, drei, ging es über Eickes Kopf hinweg, daß der vor Schreck mit dem Kopf hin und her wackelte.

Kasperle aber saß selbst unversehens mitten im Schloßhof vor

dem traurigen Marlenchen. Das schrie erschrocken auf, und ein stattlicher, finster aussehender Herr, der an einem blühenden Rosenbusch saß, blickte erstaunt auf. Er zog die Augen finster zusammen, als er den kleinen Eindringling gewahrte, aber da rief schon Marlenchen: „Vater, das ist mein Freund Kasperle!“

„Verzeihung, gnädiger Herr, daß dieser Laubfrosch hier eingedrungen ist,“ dröhnte Eickes Stimme durch den Schloßhof, und der gewaltige Mann kam mit flinken Schritten näher gerade auf Kasperle zu.

„Tu ihm nichts, Eicke!“ rief Marlenchen mit klingendem Stimmlein. „Das ist kein Laubfrosch, mein Freund Kasperle ist’s.“