„Dein Freund Kasperle?“ Herr von Lindeneck sah sein blasses Kind erstaunt an, und Marlenchen legte die Hände auf ihr klopfendes Herzelein, sah scheu zu ihrem Vater auf und erzählte leise, leise, wo sie das Kasperle immer getroffen hatte.

Und plötzlich schnatterte Kasperle vergnügt dazwischen: „Der Ring ist da, der Ring ist da! Im Elsternest hat er gelegen.“

Der Herr von Lindeneck wurde totenbleich. Er packte Kasperle so fest an, daß es dem ganz schwindlig wurde, und rief: „Wo ist der Ring, wer hat ihn gefunden?“

„Ich,“ stotterte Kasperle, und dann erzählte er von seiner Flucht auf die Ulme und den bitterbösen Elstern und von dem Ring. „Und du sollst zum Herzog kommen,“ schloß er.

Das war doch wunderbar! So etwas hatte Kasperle noch nicht erlebt. Der Herr von Lindeneck weinte und das traurige Marlenchen weinte auch. Der kleine Schelm sah sich ganz hilflos um, und er sah Eicke Pimperling kerzengerade neben sich stehen und in die Luft starren. Da fragte er scheu: „Sind se nu traurig?“

„Quatsch, du Laubfrosch, glücklich sind se!“

Ja, weint man denn da?

Der Herr von Lindeneck hob plötzlich seine Arme und dehnte und reckte sich, als fiele eine schwere Eisenkette von ihm ab, das

Marlenchen aber fiel dem Kasperle um den Hals, als wäre es gar kein unnützes, häßliches Kasperle, sondern auch so ein feines, zartes Dinglein wie Marlenchen selbst. „O Kasperle, du liebes, gutes Kasperle!“ rief Marlenchen und streichelte Kasperle, bis der vor Vergnügen den Mund von einem Ohr zum andern zog. „Du gutes, gutes Kasperle, du bist der beste Bube auf der ganzen Welt!“ fügte sie hinzu.

Na, so viele freundliche und liebe Worte hatte Kasperle lange nicht gehört. Und da nahm ihn auch noch der Herr von Lindeneck