„Nein, wie gut unser Herzog doch heute dreinschaut! Ach, wenn er doch nur immer ein so freundliches Gesicht machte!“
Es dauerte nicht lange, da war Schloß Lindeneck erreicht. Der Wagen rollte den Berg hinan, Eicke Pimperling stand an dem Tor. Diesmal schrie er aber nicht: „Hier darf niemand herein!“, er half höflich dem Herzog aussteigen, und als Kasperle flink aus dem Wagen purzelte, da hielt er ihn am Kittel fest und sagte: „Bleib hier, die zwei müssen allein reden!“
Der Herr von Lindeneck saß inmitten des Schloßhofes am blühenden Rosenbusch, als der Herzog kam. Er stand auf und ging ihm entgegen, und dann standen sie beide lange an dem Rosenbusch und redeten miteinander; aber das Kasperle mochte noch so sehr seine Ohren spitzen, es hörte nichts.
Eicke Pimperling stand breit und fest da und hielt Kasperle immerzu am Jackenzipfel fest, denn er hatte doch Angst, der könnte wieder einen Purzelbaum über ihn hinweg schießen.
Endlich rief Marlenchens Vater sein Kind und Kasperle, und der Herzog sagte zu beiden, er wolle noch eine Stunde dableiben
und Erdbeeren essen, und Kasperle dürfe auch bleiben und sogar kaspern.
Das wurde eine lustige Stunde, die ein langes, langes Schwänzlein bekam. So lang wurde das Schwänzlein, daß schon der Himmel im Abendrot erglühte, als der Herzog heimfuhr.
Als Kasperle hinter dem Herzog das Schloß betrat, kam gerade die Prinzessin Gundolfine die Treppe herab. Sie tat, als wäre sie todkrank, hielt den Kopf geneigt, und als sie den Herzog und Kasperle erblickte, schrie sie auf und wollte gleich wieder ohnmächtig werden. „Der da,“ flüsterte sie und zeigte auf Kasperle, „der hat mir eben die Zunge herausgestreckt.“
Das war nun nicht wahr, denn Kasperle hatte beim Anblick der Prinzessin gleich ganz tief den Kopf gesenkt; Marlenchen hatte ihn ermahnt: „Sei brav und ärgere sie nicht, Kasperle!“ Und Kasperle wollte doch so himmelgern von Marlenchen als brav angesehen werden. Er sagte darum auch gleich: „Ich hab’ nichts getan, ich hab’ keine Zunge rausgestreckt.“
„Doch, du hast es getan.“ Die Prinzessin log ganz unverzagt, aber Kasperle wollte sich das nicht gefallen lassen; er rief trotzig: „Und ich hab’ doch nicht die Zunge rausgestreckt! Ich hab’ sie gar nicht angesehen, sie — sie ist mir viel zu wüst!“