O Kasperle, das war schlimm!

Der Herzog runzelte ärgerlich die Stirn, und die Prinzessin fing schon wieder zu weinen an. Da sagte der alte Haushofmeister: „Mit Verlaub, Kasperle hat wirklich nicht die Zunge herausgestreckt, ich hab’ es gesehen.“

„Aber wüst hat er mich genannt,“ schrie die Prinzessin.

Das stimmte nun freilich, das hatten alle gehört. Und darum sagte der Herzog auch: „Kasperle, du bleibst auf deinem Zimmer und —“ er drohte ihm mit dem Finger.

Kasperle wußte wohl, das sollte heißen: „Geistere nicht herum!“ Er hatte auch gar keine Lust dazu. Heute war er arg müde und

froh, als er in seinem Bett lag. Er dachte an Marlenchen, und wie schön es auf dem Schloßhof von Lindeneck war, wo die Rosen um das rauschende Brünnlein herumblühten. Und da überkam das einsame Kasperle wieder eine tiefe, tiefe Sehnsucht nach dem Waldhaus und einer fernen, schönen Insel, einer Insel, die ihm die rechte Heimat war. Er weinte bitterlich und schluchzte in seine Kissen hinein.

Jemand hörte das, es war der alte Haushofmeister. Der liebte das kleine, närrische, unnütze Kasperle wirklich, und als er es draußen weinen hörte, kam er durch das Schranktürlein in das Turmzimmer, streichelte Kasperle freundlich und saß dann noch so lange an dem Bett des kleinen Schelmen, bis der fest und ruhig eingeschlafen war. Und als er ging, sagte er leise vor sich hin: „Ich wollte wirklich, unser Herzog sagte: ‚Scher’ dich zum Teufel!‘ aber das sagt er nicht, dazu ist er zu fein.“

Fünfzehntes Kapitel
„Geh zum Teufel!“

Kasperle dachte nun, er wäre herzlich befreundet mit dem Herzog. Am nächsten Morgen hatte er daher allen Abendkummer vergessen und er schrie vergnügt, als Veit seine Türe öffnete: „Jetzt will ich dem Herzog guten Morgen sagen.“

„Sachte, sachte!“ Veit hielt ihn am Kittelchen fest und sagte warnend: „Tu’s nicht! Die Prinzessin sitzt beim Herzog und redet schlimm von dir; der Herzog ist schon ganz grillig geworden. Lauf lieber zum Marlenchen!“