Da lief Kasperle an das Bächlein, fand dort Marlenchen und

vertraute der an, daß die böse Prinzessin noch immer nicht abgereist sei.

Marlenchen sah ernsthaft drein. „Sie ist wirklich böse, und mein Vater besucht den Herzog auch nicht, solange die Prinzessin da ist. Aber sei nicht traurig! Der Herzog hat doch gesagt, sie reise bald ab.“

Und dann vergaßen die Kinder die schlimme Prinzessin. Sie spielten zusammen und Marlenchen lachte wieder hell und froh.

Als Kasperle in das Schloß zurücklief, dachte er leichtsinnig: Vielleicht ist sie schon abgereist. Aber die Prinzessin Gundolfine hatte den ganzen Morgen kein Wörtlein vom Abreisen gesagt. Sie saß wieder in einem kornblumenblauen Seidenkleid am Tisch beim Mittagsmahl, und dem Kasperle blieb wirklich ein paarmal der Bissen im Halse stecken, so böse sah sie ihn an.

Dazu sah der Herzog auch wieder so verdrießlich drein wie eine Waschfrau, der der Fluß die Wäsche mitgenommen hat. Von Freundschaft war nicht viel zu merken. Und als Kasperle sich nur so viel Pudding nahm, wie gerade noch auf seinen Teller hinaufging, rief die Prinzessin: „Pfui!“ und der Herzog sagte auch: „Pfui!“ Und dann winkte er Veit, und der mußte Kasperle hinausbringen. Aber Veit tat, als verstünde er den Herzog nicht richtig, er nahm den Teller voll Pudding mit, das war ein Trost.

Nachher saß Kasperle in seiner Turmstube und schaute trübselig über das Land. Der Haushofmeister hatte ihm nämlich gesagt: „Ausreißen darfst du nicht, sonst merkt der Herzog noch das geheime Türchen, und du bist dann ganz gefangen.“

Da blieb Kasperle im Turmzimmer, und weil er vor lauter Langeweile nicht wußte, was er anfangen sollte, stellte er sich vor den Spiegel und schnitt Gesichter. Er dachte: Ich will Prinzessin spielen, und er verzog und verzerrte sein Gesicht immer mehr, und schließlich brachte er es fertig auszusehen wie die Prinzessin, wenn sie freundlich tat, wenn sie weinte, schalt, auch wenn sie Karten

spielte. Und als er gerade alle Gesichter konnte, kam Veit und holte ihn. Der Herzog war mit der Prinzessin spazierengefahren, und der gute dicke Oberstallmeister ließ Kasperle zum Schokoladetrinken einladen. Das war fein!

Kasperle raste die Treppe hinab und schrie unten laut: „Eingeladen, eingeladen!“ Dabei rannte er beinahe eine alte Frau um, die in der großen Flur stand und mit einem Diener redete. Die Alte sah ihm ganz verdattert nach. „Das — das — ist doch Kasperle!“