war eine Schrift zu lesen, und weil das Lesen Kasperles schwache Seite war, dauerte es ziemlich lange, bis er die Worte entziffert hatte. Dann aber riß er freilich auch seinen Mund sperrangelweit auf. Da stand nämlich: Wer einen kleinen Buben findet, der so aussieht, der soll ihn eiligst fangen und dem Herzog August Erasmus abliefern.

Potzhundert, das war eine Geschichte! Kasperle war so verdonnert, daß er gar nicht die Schritte hörte, die sich ihm nahten, und dann fiel er vor Schreck platt um, als jemand zu ihm sagte: „Na, Kasperle, was sagst du denn dazu?“

Es war der Kasperlemann, der so redete. Der Kasperlemann, der ihn immer verfolgt hatte.

Kasperle schnappte vor Angst, als wäre er ein Fischlein, das man auf ein Sofa gelegt hat.

„Du bist wohl ausgerissen?“ fragte der Kasperlemann lächelnd.

„Er hat’s gesagt, ich durfte,“ schrie Kasperle in seiner Angst.

„Du, schrei nicht so! Komm ein wenig unter den großen Baum, da, wo mein Karren steht!“ sagte der Kasperlemann. „Wenn dich Leute sehen, kann’s dir schlecht gehen.“

„Er hat’s doch gesagt!“ stöhnte Kasperle.

„Wer hat was gesagt?“

„Der Herzog! Ich solle zum Teufel gehen. Und nun bin ich frei.“ Dem Kasperle rollten vor Angst dicke, dicke Tränen über seine Backen und der Kasperlemann sagte mitleidig: „Armes Kasperle! Wenn er dich fängt, läßt er dich doch nicht frei. Aber ich will dir helfen, denn du hast mir auch geholfen, damals, als ich mich zu einer sehr schlechten Tat habe verleiten lassen. Ich habe versprochen, es dir nie zu vergessen. Krieche mal vorläufig flink in meinen Karren! In der Ferne kommen Landjäger.“