Der Graf von Singerlingen reiste ab, er fuhr zu Marlenchens Vater und lud Marlenchen zu sich ein; sie sollten vier Wochen lang mit Kasperle zusammen bei ihm bleiben.

Auch die Prinzessin reiste ab und der Herzog blieb allein in seinem Schloß. Da spürte er erst, wie lustig es doch mit dem Kasperle gewesen war. Er stieg hinauf auf den Turm, sah aus Kasperles Zimmer über das weite Land hin, und er dachte an das kleine Waldhaus, von dem Kasperle ihm erzählt hatte, an die glücklichen Menschen, die dort wohnten, und das Herz wurde ihm sehr, sehr schwer. Warum ist nur das Kasperle nicht bei mir geblieben? dachte er. Und da war es ihm auf einmal, als riefe in seinem Herzen eine Stimme: Du bist schuld, du bist schuld!

Der Herzog seufzte. War er wirklich schuld daran? Er mußte daran denken, wie oft er schlechter Laune war, unfreundlich gegen seine Untergebenen, mürrisch, hart, und das arme kleine Kasperle hatte er eingesperrt hier in dem Turm, hatte es auch hungern lassen und nicht bedacht, daß eben ein Kasperle ein Kasperle bleibt und Gesichter schneiden und unnütze Streiche machen muß. Und nun hatte er das Kasperle verloren, das so lustig durch das Schloß geflitzt war, und eigentlich hatte das Kasperle ihm doch etwas sehr Gutes angetan, es hatte ihm seinen Glücksring zurückgebracht.

Da stand der Herzog plötzlich wieder auf und stieg in sein Arbeitszimmer hinab. Dort setzte er sich hin und schrieb einen Brief.

Am nächsten Tag, als Kasperle sehr vergnügt vor dem Waldhaus sich herumkugelte, kam auf einmal ein Reiter dahergeritten. Der rief schon von großer Weite: „Hollahe, Kasperle, Kasperle!“

Na, da blieb dem Kasperle aber doch der Mund offen stehen! Denn der Reiter war niemand anders als Veit. Der hielt einen großen Brief und sagte: „An dich, Kasperle, vom Herzog!“

Es war gut, daß das Michele zur Hilfe kam und den Brief lesen half, allein hätte Kasperle es wohl gar nicht fertig gebracht. Der Brief aber lautete:

Mein liebes Kasperle!

Ich bin dir gar nicht mehr böse, und ich lade dich ein, mich recht, recht bald zu besuchen. Du sollst so viel Spaß machen können, wie du willst, und die Prinzessin Gundolfine darf dich nie wieder verklagen.

Mit einem schönen Gruß für dich, mein liebes Kasperle,